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Kurdische Community ruft zu Solidarität mit Rojava auf: Eindrücke von der Demonstration am 24. Januar 2026 in Erfurt

Während die humanitäre Situation im angegriffenen Rojava sich weiter verschlechtert, rief die kurdische Community für Samstag, den 24. Januar 2026 zu einer Demonstration auf dem Willy-Brandt-Platz auf. Dort riefen sie „Bijî Berxwedana Rojava“ oder „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! Jin, Jiyan, Azadî!“

 


Eindrücke Rojava Demo

 

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Während die humanitäre Situation im angegriffenen Rojava, der „demokratischen autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien“, sich weiter verschlechtert, rief die kurdische Community für Samstag, den 24. Januar 2026 zu einer Demonstration auf dem Willy-Brandt-Platz auf. Wir hören Demorufe wie „Bijî Berxwedana Rojava“ - [Es lebe der Widerstand von Rojava!“] oder „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! Jin, Jiyan, Azadî!“ [„Frau, Leben, Freiheit“]

Einer der ersten Wortbeiträge fasst die Motivation der Demonstrierenden wie folgt zusammen:

 

[...] Wir sind heute auf der Straße, weil die islamistische Übergangsregierung in Syrien Krieg gegen die Kurd:innen und die Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien führt. Nach dem Sturz von Assad war die Freude groß, doch die Ernüchterung folgte schnell und unbarmherzig mit den Massakern an Alawit:innen und Drus:innen. Am 7. Januar begann die selbsternannte Übergangsregierung mit Angriffen auf kurdische Stadtviertel in Aleppo und später weitere Gebiete der Selbstverwaltung. Das Ziel der Übergangsregierung ist klar: Sie wollen ihre islamistische Herrschaft auf alle Gebiete Syriens ausweiten, die Völker Syriens spalten und ihre Vielfalt zerstören. Sie richten sich gegen die Frauen, die nicht nur sich selbst, sondern die Welt vom IS befreit haben. Sie richten sich gegen die kurdische Zivilbevölkerung, die mutig Widerstand leistet und gegen die Kämpfer:innen, deren Körper misshandelt und zur Schau gestellt werden. Bei all dem schauen die Staaten zu und schütteln dem Islamistenführer al-Dschaulani sogar die Hand. [...]“

 

Der Aufruf verbreitete sich auf verschiedenen Kanälen und Netzwerken. Wir erfuhren erstmalig über den Social-Media-Kanal der Aktivist:innen von „Women Defend Rojava Jena“ von der Demonstration. Von Organisator:innen ist uns erklärt worden, dass die Demonstration nicht zentral organisiert sei. Am gesamten Wochenende gibt es ebenfalls Demonstrationen an verschiedenen weiteren Orten im deutschsprachigen Raum.

 

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Dass wir mit dem Mikrofon da sind, scheint einige Demonstrierende zu überraschen: „Seid ihr von der Presse?“ Insgesamt nehmen wir eine große Offenheit und Dankbarkeit für unsere Anwesenheit wahr. Eine Demonstrierende erklärt uns ihren Wunsch, „dass die Medien endlich mal über uns reden. Keiner macht das […]“. „Die internationale Gemeinschaft schaut weg, während es große Angriffe gibt. […] Es ist deswegen an uns, da hinzuschauen und darauf aufmerksam zu machen […]“, so eine weitere Demonstrierende.

 

Vor Ort schätzen wir um die 200 Teilnehmende, die sich bei eisigen Temperaturen vor dem Hauptbahnhof versammelt haben. In der Bahnhofsstraße stehen viele Polizei-Busse. Danke an die Polizei, dass sie uns beschützen" meinen einige Demo-Teilnehmende.

 

Sehr häufig erwähnen die Demonstrierenden, friedlich zusammengekommen zu sein. Frieden und nicht unterdrückt zu werden fordern sie für Rojava: „Wir wollen einfach Frieden, Demokratie, in Frieden leben. Wir wollen in unserer Sprache lernen, in Schulen. Wir hatten vorher gar nicht dieses Recht und mussten auf Arabisch lernen.“

 

Viele haben eine tiefe emotionale Verbundenheit zu Rojava. Einige erzählen uns, dass sie selbst vor Assad geflohen waren. Andere haben Familie und Freunde in den von der syrischen Übergangsregierung angegriffenen Gebieten: „Wir sind hier, weil unsere Kinder sterben. Unsere Frauen sterben. Unsere Eltern. Ältere Männer sterben“.

 

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Wieder andere zeigen sich lediglich solidarisch und wollen die kurdische Community bei ihrem Widerstand unterstützen. Von den Demonstrierenden wird auch auf eine Karawane hingewiesen: Zurzeit sind Unterstützende auf verschiedenen Routen aus Europa unterwegs nach Kobane, um vor Ort zu helfen.

 

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Wir nehmen auch kämpferische Stimmungen von einigen Demonstrierenden wahr: „Wir kämpfen, um unser Recht zu bekommen. Die Regierung greift uns an, nur weil wir Kurden sind. […]“ „Wenn einer von uns stirbt, stehen tausende auf! […] Wir stehen hinter unseren Kurden. Auch wenn die ganze Welt gegen uns ist, wir stehen trotzdem hintereinander.“

 

Bericht: Martin Lehmann / Fotos: Reinhard Hucke

 

Redaktionelle Anmerkung: Leider waren wir nicht in der Lage, die kurdischsprachigen Beiträge zu verstehen und können zu diesen nichts sagen. Ehrenamtliches Radiomachen kann auch bedeuten, unterschiedliche Sprachen zu übersetzen. Falls ihr uns unterstützen möchtet, meldet euch gern bei uns oder kommt zu einem der nächsten offenen Redaktionsforen.

 

Unterdessen - Das Magazin
26.01.

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