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"Keep Elbit Out": Der Kampf gegen die Waffenfabrik in Sangerhausen
Die Bergbaustadt Sangerhausen könnte zu einer Kriegswerkstatt werden. Es gibt fortgeschrittene Pläne, eine Fabrik des israelischen Waffenproduzenten Elbit Systems in Sangerhausen zu bauen. Als diese Info im Mai aus einer nicht-öffentlichen Stadtratssitzung an die Mitteldeutsche Zeitung geleakt wurde, bildete sich schnell eine Protestinitiative in der Region – auch mit Unterstützung aus Erfurt. Unter dem Motto „Keep Elbit Out“ kämpfen solidarische und betroffene Menschen zusammen mit den Bürger:innen Sangerhausens darum, die Waffenfabrik noch zu verhindern.
Sie organisieren Infostände, Demos und helfen dabei, noch bis zum 24. Oktober genug Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln. Doch Sangerhausens Oberbürgermeister Torsten Schweiger (CDU) bleibt dabei: Er will seinen Investor aus der Waffenindustrie nach Sangerhausen holen, spielt auf Zeit und mit juristischen Details gegen die Initiative und das Bürgerbegehren.
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Im August habe ich davon erfahren, dass in Sangerhausen eine Waffenfabrik entstehen soll. Diese Fabrik soll vom israelischen Konzern
Elbit Systemsbereits 2027 gebaut werden. Die Initiative
Keep Elbit Out, zu deutsch
Haltet Elbit raus, hat auf Social Media zum Protest aufgerufen.
Für Mitte August hat die Initiative zu einem Diskussionsabend für interessierte Menschen in Sangerhausen eingeladen. Sangerhausen ist von Erfurt aus für mich relativ gut erreichbar. Mit dem Auto nicht mal eine Stunde Fahrtzeit. Ich kenne Menschen, die für ihre Lohnarbeit täglich zwischen Sangerhausen und Erfurt pendeln müssen. Sangerhausen gehört für mich zur Nachbarschaft von Erfurt. Ich entscheide mich also dazu, die Info-Veranstaltung von Keep Elbit Out zu besuchen.
Sangerhausen: Eine strukturschwache Region
In Sangerhausen angekommen fällt mir direkt der große, aufgeschüttete Berg am Stadtrand auf, der die Stadt überragt. Von fast überall in der Stadt ist der Berg zu sehen. Es handelt sich um eine Spitzkegelhalde, die
Hohe Linde. In Sangerhausen und in der Region Mansfelder Land wurde seit den 1940er Jahren Kupferbergbau betrieben. Dabei entstand damals dieser Berg. Nach der Wende wurde der Bergbau in Sangerhausen eingestellt. Der Berg blieb. Bis heute erinnert die hohe Linde an die Bergbaugeschichte und ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden.
Neben dem Bergbau ist Sangerhausen bei vielen Menschen bekannt als Rosenstadt oder für den VEB MIFA: Der volkseigene Betrieb der Mitteldeutschen Fahrradwerke zu DDR-Zeiten - nach der Wende von der ehemaligen Treuhandanstalt übernommen. Seit dem verloren weit über 1.000 Menschen ihren Job, immer wieder wechselten die Fahrradwerke von einem Investor zum nächsten. Die Werke waren immer wieder dem Überleben auf dem Markt ausgesetzt. Die Arbeiter:innen mussten sich mit niedrigsten Löhnen und Zeitarbeit durchkämpfen.

Übrig bleibt mit Sangerhausen ein weiterer ostdeutscher Ort, der nun zu den sogenannten strukturschwachen Regionen in Deutschland zählt. Viele junge Menschen verlassen die Stadt in Sachsen-Anhalt und die Einwohnerzahl von Sangerhausen, 2026 noch etwas über 25.000 Menschen, sinkt von Jahr zu Jahr. Zum August 2026 sind 10 Prozent der Menschen in Sangerhausen beim Arbeitsamt als arbeitlos gemeldet. 7 Prozent sind beim Jobcenter gemeldet.
Ich komme in der Gaststätte zum
Herrenkrugan. Hier findet heute der Diskussionsabend statt. Der Veranstaltungsraum ist voll. Ungefähr 50 Menschen sind heute anwesend, die meisten schon etwas älter. Die Stimmung ist gut, kämpferisch, aber auch wütend. Denn dass eine Fabrik aus der Kriegsindustrie hier in Sangerhausen entstehen soll und die Gespräche zwischen Stadt und Investor bereits im vollen Gang sind, war den Menschen in Sangerhausen bis vor kurzem noch völlig unbekannt.

Keep Elbit Out
Zu den Menschen von Keep Elbit Out gehört zum Beispiel Lina. Lina organisiert sich neben dem Studium in Leipzig bei der palästinasolidarischen GruppeHandala Leipzig. Heute Abend ist Lina ansprechbar für die Presse. Auf dem Podium klären weitere Menschen von Keep Elbit Out über die Initiative und über Elbit Systems auf. Lina war in den vergangenen Wochen mit der Initiative mehrfach in Sangerhausen. Sie informierte die hier lebenden Menschen und kam mit ihnen ins Gespräch. Ob beim Verteilen von Flyern oder bei Haustürgesprächen. An der Initiative beteiligen sich viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, wie mir Lina erklärt:
Unser Bündnis besteht vor allem aus Gruppen aus der Palästina-Solidaritätsbewegung, auch aus vielen anderen Gruppen, z.B. aus der Klima- oder Friedensbewegung. Wir sind ein sehr breites Bündnis und sind offen für alle Gruppen und Einzelpersonen, die sich eben diesem gemeinsamen Ziel anschließen.
Aus dem parteipolitischen Spektrum beteiligen sich am Bündnis beispielsweise der Sangerhausener Ortsverband der Partei
Die Linkeoder das BSW Sachsen-Anhalt. Aus der Klimabewegung zum Beispiel Fridays for Future Leipzig oder Ende Gelände. Insgesamt über 50 Gruppen bisher.
Der Whistleblower und der Stadtrat
Ebenso wie die Menschen aus Sangerhausen erfuhren die Menschen von Keep Elbit Out erst aus den Medien von der Waffenfabrik. Sie üben deutliche Kritik an den Oberbürgermeister Sangerhausens, Torsten Schweiger:Lina:
Das ist auch ein ganz großes Problem, was wir haben, weil es eben eine fehlende Transparenz gibt. Der CDU-Oberbürgermeister hat eben in einer nicht-öffentlichen Stadtratssitzung, wie er das nennt, also es ist eben eine geheime Stadtratssitzung. Es sollte vor der Bevölkerung und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten, das überhaupt hier eine Rüstungsfirma angesiedelt werden soll und welche Rüstungsfirma.
Zum Investor möchte sich Torsten Schweiger der Öffentlichkeit gegenüber nicht äußern. Gegenüber Frank Schedwill, langjähriger Reporter aus Sangerhausen bei der Mitteldeutschen Zeitung, erklärte sich der Oberbürgermeister. Er möchte mit Informationen so lange warten, bis sich sein Investor von selbst bereit dazu fühlt, sich der Öffentlichkeit preis zu geben. Insofern war auch zur Stadtratssitzung im Mai nichts über eine mögliche Waffenfabrik in Sangerhausen öffentlich bekannt – und eigentlich sollte das so bleiben.

Im Mai hatte die Mitteldeutsche Zeitung von einer Beschlussvorlage für den Stadtrat berichtet. Die Mehrheit des Stadtrats entschied sich in der nicht-öffentlichen Sitzung für weitere Verhandlungen mit dem Investor. Dafür gestimmt haben sollen neben Stadträt:innen von CDU und SPD auch Stadträt:innen der AfD. In einem Interview mit dem rechten Magazin Compact von Mitte August spricht sich Hans-Thomas Tillschneider von der AfD Sachsen-Anhalt dafür aus, dass eine israelische Waffenfabrik sich ansiedeln darf. Er begründet es mit Wirtschaftswachstum als
deutschem Interesse.
Die Industriefläche
Die Fläche, auf der möglicherweise eine Waffenfabrik von Elbit Systems entstehen könnte, ist am westlichen Stadtrand von Sangerhausen zu finden – direkt an der A38. Es geht um 150 Hektar, also 1,5 Quadratkilomenter Land. Im Bebauungsplan 48 ist zu lesen, dass hier momentan noch intensiv Ackerbau betrieben wird.
Im Januar 2022 berichtete Frank Schedwill in der Mitteldeutsche Zeitung, dass die Stadt damals schon seit vielen Jahren daran arbeitete, westlich von Sangerhausen einen Industriepark zu errichten. Früher war der Industriepark näher an der Stadt geplant gewesen. Allerdings gab der damalige SPD-Oberbürgermeister auf Anraten von Gutachter:innen die alte Fläche auf. Die Gründe waren zum Beispiel der Hochwasserschutz und die Nähe zu Wohngebieten. Außerdem klagte vor vielen Jahren der Naturschutzbund BUND. Das Oberverwaltungsgericht gab dem Naturschutzbund recht. Denn auf der ursprünglichen Fläche leben vom aussterben bedrohte Feldhamster. Die Stadt verlegte die geplante Industriefläche. Der Naturschutzbund sprach von Erfolg, denn dort wäre die Kernpopulation des Feldhamsters nicht betroffen. Dennoch spielt der Feldhamster für die Menschen von Keep Elbit Out eine Rolle. Denn über den Feldhamster spreche nun keiner mehr, obwohl laut Homepage von Keep Elbit Out immer noch Umsiedlungen vor einem Bau der Waffenfabrik nötig wären. Der Feldhamster wurde zum Maskottchen von Keep Elbit Out.

Der Investor: Elbit Systems?
Ob es sich bei dem Investor tatsächlich um Elbit Systems handelt, wird von der Verwaltung und dem Oberbürgermeister bisher geheim gehalten. Der Mitteldeutschen Zeitung soll aber die Info vorliegen, dass es sich tatsächlich um Elbit Systems handeln soll. Die Initative Keep Elbit Out ist sich sicher, dass diese Info stimmen muss. Als Teil der palästinasolidarischen Bewegung beobachten sie die Kriegsindustrie schon länger ganz genau.Lina:
Aber es ist schon sehr wahrscheinlich, wenn man sich anschaut, wie Elbit Systems global und auch auch vor allem in Deutschland expandiert. Wir sehen eben, dass Elbit Systems gerade durch die hohe Nachfrage global und in Deutschland sehr stark expandiert.
Elbit Systems ist ein Konzern aus Israel, der Waffen- und Militärsysteme verschiedenster Art produziert. Dem Defense Network, einem Marketing-Magazin der Kriegsindustrie, gab der Elbit-Vertreter Michael Menges im August ein Interview. Darin macht er deutlich, wie sich Elbit Systems darauf vorbereitet, sich weiter in Deutschland auszubreiten. In Deutschland hat der Konzern Mitte der Nuller Jahre eine Sparte von Telefunken in Ulm aufgekauft. Telefunken, eine deutsche Firma für Rundfunktechnik, die bereits im Zweiten Weltkrieg führend war, die Wehrmacht mit moderner Funktechnik auszustatten.
Heutzutage kommen vor allem bei dem Genozid in Gaza und in Israels Kriegen im Libanon, Waffensysteme von Elbit Systems zum Einsatz. Von ihren Waffensystemen spricht Elbit Systems selbst als
battle proven– also
kampferprobt. Das fassen die Menschen auf dem Podium den Gästen im Herrenkrug nochmal zusammen. Außerdem sprechen sie die Recherchen des Investigativjournalisten Antony Loewenstein an. In dessen Buch The Palestine Laboratory” beschreibt der Journalist, wie die israelische Armee neue Waffensysteme in Gaza austestet. Er beschreibt Gaza als Testlabor” für Waffen und Drohnen, die später auch anderswo von Staaten auf der Welt zum Einsatz kommen könnten – sei es in Kriegen, Aufständen oder anderen staatlichen Aktionen.
Eine Spezialität von Elbit Systems ist die Entwicklung von Drohnen und KI-Systemen für den Einsatz als Waffen, wie Lina hervorhebt.
Der Völkermord in Palästina ist ein moderner Krieg. Moderne Kriege werden heutzutage vor allem mit Drohnen durchgeführt. Das ist nicht nur in Palästina so, auch in anderen Kriegen, die Israel führt. Im Iran oder im Libanon ist es ganz genauso, dass eben vor allem Drohnen eingesetzt werden. Drohnen sind, worauf sich Elbit spezialisiert hat. Das wird eben vor allem von Elbit Systems hergestellt. 85 Prozent der Drohnen, die genutzt werden im Völkermord in Gaza kommen von der Firma Elbit Systems. Diese Firma ist ganz massiv beteiligt am Völkermord in Gaza und arbeitet auch sehr viel mit KI zusammen. Der Leiter von Elbit Systems hat kürzlich noch damit geprahlt, dass sie 850.000 Ziele identifiziert haben in Palästina und im Libanon. Das wird eben mithilfe dieser Drohnen und KI-Systemen bei Elbit getan, dass diese Ziele identifiziert werden. Die Ziele, die identifiziert werden, das sind nicht Ziele, das sind Menschen, das sind Kinder, Frauen, Männer, die dann getötet werden. Deshalb ist Elbit in sehr starker Weise beteiligt an diesem Völkermord.

Nach Angaben des SIPRI, dem Stockholmer Institut für Internationale Friedensforschung, erhält Israel fast 30 Prozent seiner Waffen aus Deutschland. Damit ist Deutschland der zweitgrößte Waffenlieferant Israels, direkt nach den USA. Erst kürzlich teilte die Bundesregierung mit, dass allein im ersten Halbjahr 2026 ein Export von Kriegsprodukten im Wert von fast 800 Millionen Euro an Israel genehmigt wurden. Der Großteil davon für ein U-Boot-Projekt. Zum Vergleich: Mit über 2,5 Milliarden Euro an Exportgenehmigungen bekommt die Ukraine die meisten deutschen Kriegsprodukte.
Aktuell müssen sich Vertreter:innen der Bundesrepublik Deutschland wegen der Waffenlieferungen nach Israel vor dem internationalen Gerichtshof verantworten. Geklagt hat der Staat Nicaragua, der Deutschland vorwirft, aktiv zum Genozid in Gaza beizutragen.
Doch ein Ende der Militarisierung Deutschlands scheint nicht in Sicht.
Lina:
Wir sehen derzeit, dass sich die Aufrüstungskampagne der Bundesrepublik immer weiter verschärft. Das sehen wir auf sehr vielen verschiedenen Ebenen: Mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht und das immer weitere Rüstungsfirmen aus dem Boden ploppen. Es gibt ja schon mehrere Elbit-Systems-Standorte in Deutschland, gegen die ja auch protestiert wird.
Ulm
Seinen deutschen Hauptsitz hat Elbit Systems in Ulm. Hier brachen vor einem Jahr, im September 2025, fünf Aktivist:innen in ein Büro- und Laborgebäude ein. Die Aktivist:innen filmten sich dabei, wie sie Büroeinrichtung und Laborgeräte zerstörten. Anschließend ließen sie sich ohne Widerstand von der Polizei gefangen nehmen, die sie selbst herbeiriefen. Bis heute sitzen die inzwischen als
Ulm 5bekannten Aktivist:innen an verschiedenen Hochsicherheits-Haftanstalten in isolierter Untersuchungshaft.
In Stuttgart-Stammheim müssen sich die Ulm 5 seitdem unter strengsten Vorkehrungen bei einem Strafprozess verantworten. Angeklagt sind sie u.a. wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Bildung einer kriminellen Vereinigung nach Paragraf 129 Strafgesetzbuch. Die Behörden unterstellen zusätzlich eine vermeintliche antisemitische Motivation, die eine mögliche Bestrafung von fünf Jahren Gefängnis deutlich verschärfen könnte.
Die Prozesstage finden am Stammheimer Oberlandesgericht im Hochsicherheitssaal statt. An diesem Standort wurden in den 1970ern Prozesse gegen Mitglieder der RAF geführt, der Roten Armee Fraktion. Von ihren Verteidigenden und anderen Anwesenden sind die Ulm 5 immer über eine Panzerglasscheibe getrennt. Die Verteidigenden, Prozessbeobachtende wie Politiker:innen wie Martin Sonneborn oder solidarische Aktivist:innen wie Judith Scheydt sprechen zum Teil von Verhältnissen wie bei einem Schauprozess.
Standortentscheidung
Neben dem Hauptsitz in Ulm hat Elbit Systems bereits weitere Standorte in Deutschland, wie beispielsweise in Berlin oder Koblenz. Und eben vielleicht bald auch in Sangerhausen. Dafür gebe es offensichtliche Gründe. Wie beispielsweise die logistische Anbindung.
Lina:
Wir sehen aber gerade hier, in der Region, dass es sozusagen eine Vernetzung gibt, wie hier die Rüstungsgüter produziert und verschifft werden sollen. Wir sind jetzt schon seit längerem aktiv, auch am Flughafen Leipzig/ Halle. Wir haben herausgefunden, dass von dort extrem viele Rüstungsgüter transportiert werden, auch nach Israel. Sangerhausen ist ja über A38 direkt angebunden an den Flughafen Leipzig/ Halle. Wir gehen eben davon aus, dass hier ein Netz aufgebaut wird, dass Rüstungsgüter in Sangerhausen produziert werden und vom Flughafen Leipzig/ Halle verschifft werden. Das hängt hier alles miteinander zusammen und die ganze Region soll eben immer stärker militarisiert und für Rüstung ausgebaut werden.
Zusätzlich interessant für den Waffenkonzern könnte auch die strukturschwache Region sein:
Lina:
Wir sehen gleichzeitig auch, in Sangerhausen und generell hier in der Gegend herrscht Arbeitsplatzmangel. Die Menschen suchen teilweise verzweifelt nach Arbeit und möchten eigentlich nicht in einer Rüstungsfirma arbeiten, aber stehen unter dermaßen existenziellen Druck, dass es natürlich darauf hinauslaufen wird, dass Menschen auch diese Arbeit annehmen und auch arbeiten werden, obwohl sie in vielen Fällen moralisch dagegen sind.
Erfurt Unsilenced
Diesen Eindruck bestätigt mir auch Nele von der palästinasolidarischen Hochschulgruppe Erfurt Unsilenced. Nele war in den letzten Wochen zusammen mit weiteren Studierenden aus Erfurt in Sangerhausen. Mit Erfurt Unsilenced konnte ich bei einem Infoabend im Erfurter Kalif Storch ins Gespräch kommen. Sie erzählen mir, wie sie die Menschen in Sangerhausen erlebt haben.
Ich fand es krass zu sehen, die Leute vor Ort haben krasse Problemlagen. Die Region ist deindustrialisiert, es gibt starke ökonomische Probleme, wenig Investitionen in die Infrastruktur. Dann zu sehen, dass die Steuergelder vor allem halt in Waffenproduktion, in Rüstung investiert werden, hat die Leute sehr getroffen. Diese Problemlagen sind ernstzunehmen und anzugehen.
An dem Tag, als wir dort waren, waren wir an zwei Standorten in Sangerhausen und haben mit allen möglichen verschiedenen Menschen gesprochen. Die meisten Menschen wussten tatsächlich davon nicht. Die haben das entweder ganz kurz mitbekommen, aber die meisten eben gar nicht und waren nicht nur überrascht, sondern schockiert davon. Vor allem von der Tatsache, dass diese ganzen Beschlüsse, die Ideen, diese Waffenfabrik zu produzieren, in den nicht-öffentlichen Sitzungen des Stadtrats beschlossen wurden und dementsprechend nicht an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert wurde, weil die Öffentlichkeit davon möglichst nichts mitbekommen sollte. Ich glaube, nicht nur die Tatsache, dass das passiert, sondern wie es passiert, hat die Menschen einfach entsetzt. Deswegen waren die auch sehr offen für unsere Kampagne. Unser Eindruck war auch, egal wo die politisch stehen, waren alle Menschen gegen diese Waffenfabrik.
Pro und Kontra
Es gibt aber nicht nur Menschen, die gegen eine mögliche Waffenfabrik in Sangerhausen sind. Bei dem Diskussionsabend im Sangerhausener Herrenkrug meldete sich ein Mann, der davon sprach, in der Vergangenheit einige Male bereits in Israel gewesen zu sein. Die Erfahrungen von Apartheid, wie sie auf dem Podium von Menschen mit palästinensischen Familienhintergrund beschrieben werden, könne er nicht bestätigen. Er beklagte die emotionale Art, wie die Ansiedlung einer Waffenfabrik begleitet wird. Ich habe Lina gefragt, wie sie mit der Position des Mannes umgeht:
Lina:
Im Endeffekt sind wir natürlich offen, die Diskussion erstmal zu führen. Aber natürlich hat jeder Mensch seine eigene Meinung und wir sind immer offen, zuzuhören und zu diskutieren. Die Menschen in Sangerhausen möchten auch keine Firma in ihrer Stadt haben, an deren Händen Blut klebt. Eigentlich alle, mit denen ich gesprochen habe, haben mir gesagt:Ja, wir haben die Bilder gesehen. Ja, wir haben die furchtbaren Bilder aus Gaza, aus Palästina gesehen und wir möchten nicht, dass diese Waffen, die wir dort gesehen haben in den Videos, hier in Sangerhausen produziert werden.Das haben wir auch heute bei der Diskussionsveranstaltung mehrmals wieder gehört.
Dass die meisten gegen eine Waffenfabrik sind, bestätigen mir auch die Menschen von Erfurt Unsilenced:
Die meisten von uns haben hunderte Menschen angesprochen an diesem Tag. Es war wirklich eine einzelne Person bei mir. Und bei den anderen Menschen, mit denen wir standen, waren es auch Menschen, die man höchstens an einer Hand abzählen konnte. Teilweise sogar niemand.
Eine Interaktion mit diesem SPD-Abgeordneten, der klipp und klar dafür war, egal, was das für moralische Folgen hat, das hat uns ein bisschen schockiert.
Im Herrenkrug machte der befürwortende Mann darauf aufmerksam, dass mit der Fabrik und den Investor Arbeitsplätze entstehen könnten, die in Sangerhausen dringend gebraucht werden. Aus seiner Lebenserfahrung heraus wüsste er, dass so große Ansiedlungen auch einen in seinen Worten
Speckgürtelmit sich brächten. Damit meint er Arbeitsplätze durch zuliefernde Firmen, die in der Region entstehen könnten. Der Mitteldeutschen Zeitung erklärte Oberbürgermeister Torsten Schweiger, es könnten zwischen 250 und 400 Arbeitsplätze in der 130 Hektar großen Fabrik entstehen. Andere Anwesende im Herrenkrug reagieren wiederum skeptisch. Sie gehen kaum davon aus, dass diese paar Jobs überhaupt für die Menschen aus Sangerhausen in Frage kämen. Am Ende würden hochqualifizierte Fachkräfte aus anderen Regionen angeworben werden. Für die Menschen in Sangerhausen blieben dann nur noch unliebsame Jobs für Reinigungskräfte oder Hausmeister:innen übrig, wie einige befürchten.
Ein weiteres Argument, das an diesem Abend im Herrenkrug angesprochen wurde und einer friedlichen Zukunft im Weg stehen würde: Sollte eine Waffenfabrik in Sangerhausen entstehen, würde die Stadt im Falle eines Kriegs zu einem möglichen Ziel werden.
Lina ist sich sicher, die meisten Menschen aus Sangerhausen wollen das nicht riskieren. Deshalb erwartet Lina auch viele Teilnehmende bei der Demo, die in wenigen Tagen ansteht.
Der nächste Schritt ist erstmal die Demonstration, wo wir natürlich hoffen, dass sehr viele Menschen dazukommen. Aber ich denke schon. Ich denke auch, dass aus Sangerhausen sehr viele Menschen zu dieser Demonstration kommen werden.
Demo gegen die Waffenfabrik

Der Tag der Demo, der 29. August 2026. Ein Demoteilnehmer hat seinen Dudelsack mitgebracht und beschallt damit den Marktplatz in Sangerhausen. Gegen 13 Uhr versammeln sich hier schätzungsweise zwischen 400 und 500 Menschen. Es sind viele jüngere Menschen, aber auch sehr viele ältere Menschen eingetroffen. Viele verschiedene Banner, Schilder und Fahnen kann ich sehen: Friedensfahnen, rote Fahnen, Palästinafahnen, Gewerkschaftsfahnen. Schilder und Transparente wie
Nein zu Rüstungsfirmen,
Nein zur Wehrpflicht,
Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter. Das Polizeiaufgebot ist überschaubar. Vom Marktplatz soll es später noch zu besagter Ackerfläche gehen, auf der die Waffenfabrik entstehen soll.
Auf meinem Rundgang über den Marktplatz treffe ich Nele von Erfurt Unsilenced wieder. Nele ist etwas aufgeregt, erfahre ich. Denn später, wenn die Demo bei der Ackerfläche Halt macht, ist Nele für eine Rede eingeplant.
Kurz nach 13 Uhr wird die Demonstration von André Röthel eröffnet, der sich als Mitglied des Sangerhausener Ortsverbands der Partei Die Linke, vorstellt.
André Röthel, Ortsverband der Partei Die Linke Sangerhausen:
Mahlzeit erstmal in Sangerhausen und herzlich willkommen zu unserer heutigen Kundgebung, Demonstration gegen die Rüstung, gegen die Rüstungsfabrik hier in Sangerhausen. Ich freue mich, dass der Markt so voll ist, wie er lange nicht mehr war. Ich bin heute hier Versammlungsleiter.
Wenn hier Personen meinen mitdemonstrieren zu müssen, die aber nicht unserem politischem Spektrum angehören, dann können die das gern machen. Aber, wenn es dazu kommt, dass diese Personen entsprechend zu Konflikten führen, dann dürfen diese Personen sich gern direkt verabschieden.
Wir wollen die Demonstration regional halten, also vorrangig die Personen erreichen, die hier wohnen. Ansonsten ist es so, dass unsere Demonstration antifaschistisch ist. Das bedeutet, Rassismus in jeder Form, wird hier nicht toleriert. Dazu zählt auch Antisemitismus. Es ist uns bewusst, dass viele Vorwürfe des Antisemitismus schnell mal genutzt werden und politisch instrumentalisiert werden. Damit wir uns an der Stelle auch abgrenzen, gibt es eine jerusalemer Erklärung zum Thema Antisemitismus. Die ist für uns heute hier die Leitlinie dieser Kundgebung, um gegen Antisemitismus auch vorzugehen. Ansonsten demonstrieren wir einladend und weltoffen.

Nachdem er die Demo eröffnet hat, beschreibt André Röthel, wie es sich für ihn angefühlt hat, in Sangerhausen nach der Wende groß zu werden.
André Röthel:
Ich bin 1989 in Sangerhausen geboren. Das heißt, ich habe die Nachwendejahre zwischen dem Aufbruch, zwischen der Hoffnung und dem dann doch, zu großen Teilen, Abstieg als Kind hier erlebt. Ich hab die Zeit als Kind erlebt in einer Familie, in einem Freundeskreis, in der man im Endeffekt teilweise nicht mehr wusste, wie man von einem zum nächsten Monat kommt.
Es ist ein paar Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Neben der ein oder anderen Wahlkampf-Phrase, spricht André Röthel stellvertretend für viele Menschen der ostdeutschen Stadt Sangerhausen. Davon, welche Erfahrungen Menschen in Sangerhausen, wie in vielen ostdeutschen Regionen machen.
Gefühlt haben die Hartz-IV-Reformen und, egal, wie man es heute nennt, Bürgergeld, Grundsicherungsgeld, die vielen Krisen der 2010er Jahre die Enttäuschung, Perspektivlosigkeit nur größer werden lassen und weiter verstärkt. Sangerhausen, das wissen wir alle, ist eine strukturschwache Region. Da haut das natürlich noch mal einen ganzen Batzen mehr rein, wenn solche Kürzungen von der Bunderegierung, wie jetzt gerade wieder angekündigt, eingreifen und die Gesellschaft weiter auseinandertreiben.
André Röthel vermutet, dass die wirtschaftliche Lage Sangerhausens und der Region ein entscheidendes Argument für den Oberbürgermeister und die Landesregierung war, ausgerechnet hier eine Waffenfabrik zu planen.
Seit mittlerweile 20 Jahren versucht man hier etwas zu verbessern in Sangerhausen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Leider ist auf der Landesebene von Anstrengungen für diesen Industriepark bisher sehr, sehr wenig mitzubekommen. Insofern hat es uns gewundert, als im Stadtrat auf einmal eine Anfrage dazugekommen ist seitens der Verwaltung.

Zwischen den Reden mache ich mich auf die Suche nach Demoteilnehmenden aus der Region. Ich möchte wissen, was ihnen durch den Kopf geht, wenn sie an die Pläne für eine mögliche Waffenfabrik denken.
Dass wir Kriegsziel werden sollen, das sind unsere Gedanken. Wenn irgendwann mal was passiert, sind wir mit zuerst Kriegsziel. Das wollen wir nicht. Deswegen muss Merz auch weg.
Das ist ein Ausdruck der Militarisierung, die unsere Gesellschaft hier in allen Ecken und Enden überfällt. Krieg tötet und gehört abgeschafft. Jede kleine Sache, wenn man hier Leute locken will mit ein paar Arbeitsplätzchen und die nur Tod bringen. Da muss man einfach dagegen sein.
Ich sehe ein, dass hier unbedingt was dagegen gemacht werden muss. Man kann nicht das Mansfelder Land auseinanderreißen und verstückeln, das geht einfach nicht. Wir sind froh, dass wir bis jetzt ein ordentliches und sauberes Land hatten.
Ich finde es nicht in Ordnung, dass hier eine Rüstungsfabrik gebaut werden soll. Ich finde, wir sollten alles unternehmen, um Frieden zu schaffen und nicht Tatsachen, dass wir jetzt hier aktiv dulden, dass hier Waffen produziert werden.
Es wird einfach versucht, Tatsachen zu schaffen, die letztendlich zum Krieg führen. Das lehne ich ab.
Was denken Sie, wie geht es weiter?
Die werden das bauen. Es gibt natürlich auch befürworter. 600 Arbeitsplätze. Aber richtig ist es nicht. Wir wollen eigentlich friedlich leben und abrüsten. Das schlimme ist aber auch, dass Israel hier das Werk hinbaut, das ist das schlimme. Die iranischen Raketen, die reichen auch bis hierher. So kommen wir nicht ungeschoren davon, das ist das, was Merz will. Der will den Osten zeigen:Ihr bleibt nicht verschont.
Wenn hier etwas mehr Industrie kommt und wir haben mehr Arbeitsplätze, dann brauchen wir solche Angebote von Israel nicht nehmen. Die sollen ihre Waffen bei sich produzieren, nicht bei uns.
Es gibt sicherlich genügend zu tun. Die Gelder, die in die Rüstung fließen, die werden in der Wirtschaft gebraucht oder im sozialen Bereich. Ich denke, dort werden sich auch Arbeitsplätze finden lassen. Es kann nicht sein, dass die Rüstung das einzige Allheilmachende ist. Das ist ja Quatsch.
Was wünschen Sie sich?
Dass die Ansiedlung von Elbit abgewählt wird und eine friedliche Entwicklung mit friedlicher Industrie.
Dass meine Kinder und Enkelkinder in Frieden leben, ganz einfach.
Ich wünsche mir eine ordentliche Arbeiterregierung. Denn was sie bis jetzt uns bieten in der Innenpolitik, das kann man vergessen. Die kümmern sich mehr um die Außenpolitik. Und ich wünsche mir frieden.
Ich wünsche mir, dass die Leute verstehen, dass wir jetzt zurzeit in einer Phase sind, wo Angst gemacht wird gegen Russland. Dass wir verstehen, dass diese Angst von uns selbst gemacht ist und nur das Ziel hat, Krieg zu führen.
Ich wünsche mir, dass die Friedensbewegung so stark ist, dass die Regierenden ihr Programm nicht durchziehen können und dass wir das verhindern können, dass wir in Frieden mit unseren Nachbarländern leben können, dass unsere Kinder und meine Enkel noch eine Zukunft haben in einer lebenswerten Welt.

An einer konkreten Möglichkeit, eine Waffenfabrik in Sangerhausen zu verhindern, arbeiten einige Menschen aus Sangerhausen. Einer davon ist Siegbert Grieße. Auch er hält eine Rede, stellt sich als einer der Verantwortlichen für ein Bürgerbegehren vor und beschreibt Details zu diesem komplizierten, demokratischen Verfahren. Für ihn hat es höchste Priorität, dass die Menschen in Sangerhausen mitentscheiden können.
Siegbert Grieße, Mitinitiator des Bürgerbegehrens
Dieses durch die Stadt vorbereitete und im Stadtrat beschlossene Ansinnen, ein Rüstungsunternehmen – und da muss ich sagen, ist mir egal, welches Rüstungsunternehmen das ist – ob aus Deutschland, Israel, Irland oder der Mongolei – der Stadtrat hat beschlossen, ein Rüstungsunternehmen hier in Sangerhausen anzusiedeln und so eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft unserer Stadt. Diese sollte nicht hinter verschlossenen Türen getroffen werden – hier sollen die Sangerhäuser Bürger selbst entscheiden. Und aus dem Grund haben wir das Bürgerbegehren angestrengt.
Für solche einen Fall hat der Gesetzgeber das Bürgerbegehren mit dem Ziel eines Bürgerbescheids ermöglicht. Der hat dann die Gültigkeit eines Stadtratsbeschlusses und muss dann umgesetzt werden. Aus unzähligen Gesprächen, die ich bisher geführt habe, weiß ich, dass viele von euch bereits mit den Hufen scharren, in den Startlöchern stehen, um endlich die Unterschriften unter die Listen zu stellen.
Aber das ist nicht so einfach: Die Hürden hierfür sind vom Gesetzgeber sehr hoch gehängt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Die Initiatoren mussten fristgerecht das Bürgerbegehren anzeigen, mit der konkreten Fragestellung auf der Unterschriftenliste und der gleichzeitigen Aufforderung, eine Kostenschätzung für das Verfahren zu benennen. Die Einhaltung der Frist wird inzwischen juristisch von der Stadt angezweifelt, weil die öffentliche Bekanntmachung angeblich bereits am 21.5. mit der Wiederherstellung der Öffentlichkeit nach der Sitzung hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben soll. Aus unserem Rechtsverständnis erfolgte die Veröffentlichung erst am 25. August mit Erscheinen des AmtsblattesSangerhäuser Nachrichtenund der öffentlichen Bekanntmachung durch den Oberbürgermeister.
Weiterhin ist zu beachten, wie die Fragestellung formuliert ist. Die Frage muss so formuliert sein: Wer gegen die Ansiedlung ist, muss mit. Das ist irritierend, aber vermutlich vom Gesetzgeber hier so gewollt, zeugt doch davon, die geringe Anzahl von Bürgerbegehren dieses demokratischen Mittels in Sachsen-Anhalt.Jastimmen
Von der Stadtverwaltung wurde uns am Donnerstag [27.08.2026] mitgeteilt, dass es mehrere rechtliche Bedenken gegen unsere Fragestellung gibt und wir gebeten worden, die noch einmal von Fachanwälten prüfen zu lassen. Das ist der Grund, warum wir heute noch keine Unterschriftenlisten ausliegen haben. Es wäre eine gute Möglichkeit gewesen. Denn so viele interessierte Menschen, bekommen wir vermutlich nicht so schnell wieder zusammen. Aber die Uhr tickt: Bis zum 24. Oktober müssen alle Unterschriften im Rathaus vorliegen.
Ich wünsche uns allen, dass wir es schaffen, diese unsägliche Waffenfabrik zu verhindern.
Bis kurz nach 14 Uhr gibt es noch einige Reden auf dem Marktplatz. Dann ist es soweit und es wird der Demozug gebildet.


An den umliegenden Grünanlagen und vor den Wohnhäusern stehen unbeteiligte und schauen sich gespannt den Demozug an. Dazwischen versuche ich mit Anwohnenden ins Gespräch zu kommen, doch die wiegeln ab und möchten nicht reden.
Weiter geht es durch ein Gewerbegebiet mit Kaufhallen und Baumärkten. Insgesamt verläuft der Demomarsch entspannt.


Die Ackerfläche
Gegen 15:30 Uhr kommt der Demozug an seinem Ziel an. Rechts vom Lautsprecherwagen ist eine gewöhnlich wirkende Ackerfläche zu sehen, auf der die Pflanzen gedeihen. Von hier aus lässt sich für mich schwer erahnen, wie groß die Fabrik werden könnte. Mit dem Blick auf das Feld sind einzelne Baumgruppen zu erkennen, dahinter weitere Felder, gelb-bräunlich durch die vergangenen Dürrewochen. Dahinter Hügel und Wälder. Eben eine gewöhnliche mitteldeutsche Landschaft.
Holger Hüttel, der sich als Sangerhausener Stadtrat für die Partei Die Linke vorstellt, versucht die Dimension der Fabrik begreiflich zu machen.
Müsst ihr euch jetzt vorstellen, dieses gesamte Gebiet, bis dorthinter, wo die Bäume stehen, bis zur Autobahn – das sind 150 Hektar. Allein die Rüstungsfabrik soll 130 Hektar bekommen. Wenn man sich das vorstellt, das ist eine Länge von 1,3 Kilometern nach hinten und 1,3 Kilometern Richtung Wallhausen. So eine Riesenfabrik.

Nun wird einem Mann das Mikrofon des Lautsprecherwagens in die Hand gegeben. Er ist Arbeiter eines Autoteilezulieferers aus Artern. Als Arbeiter stellt er in seiner Rede klar, dass der Kampf gegen die Waffenfabrik besonders ein Teil des Kampfes ist zwischen herrschender, besitzender und Arbeiterklasse.

Mit dem Mehrheitsbeschluss im Sangerhäuser Stadtrat, eine Waffenfabrik anzusiedeln, zeigen die bürgerlichen Parteien, CDU, AfD uns SPD ihr wahres Gesicht. Wofür steht denn dieser Beschluss? Ist es die christliche Nächstenliebe der CDU? Ist es Solidarität und Völkerverständigung der SPD? Nein, natürlich nicht. denn dieser Beschluss steht für Heuchelei, Profitgier, Skrupellosigkeit und Kriegstreiberei. Sie reden von Verteidigung und Frieden. Doch sie meinen Maximalprofit und Krieg.
Gerade diese scheinheiligen Dämagogen von der AfD, diese selbsternannteFriedenspartei, schrieb noch 2023 in ihr Parteiprogramm, sie wolle die Fluchtursachen bekämpfen. Aber genau das Gegenteil ist ihre Absicht. Sie erzeugen mit dieser Entscheidung Fluchtursachen und bekämpfen anschließend die Geflüchteten. Sie spalten die Arbeiterklasse in Flüchtlinge und Deutsche, in Erwerbslose und Erwerbstätige, in Junge und Alte, Männer und Frauen. Mittlerweile sogar in Ost- und Westdeutsche. Wer so etwas tut, spaltet die organisierte Arbeiterbewegung und bekämpft die Gewerkschaften. Wer so etwas tut, ist ein Arbeiterfeind.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die deutschen Monopole haben im internationalen Konkurrenzkampf ihren Machteinfluss und Marktanteile verloren.
Aber ihre Krise ist nicht unsere Krise. Sie präsentieren uns ihre Rechnung und wir sollen zahlen. Wer uns im Lichte der Vernichtung hunderttausender Arbeitsplätze, Jobs in der Rüstungsindustrie verspricht, versucht auf niederträchtigste und zynischste Weise die Ängste der Kolleginnen und Kollegen auszunutzen. Wir sind Arbeiter, wir produzieren keine Mordwerkzeuge!
Es ist nicht unser Konkurrenzkampf, es ist nicht unser Krieg der hier vorbereitet wird. Wer aufrüstet, bereitet einen Krieg vor. Dazu sagen wir nein, ohne uns!
Der Kampf um den Frieden ist identisch mit dem Kampf gegen die akute faschistische Gefahr und dem Kampf gegen die globale Umweltkatastrophe.
Nicht Kriegstüchtigkeit, nicht Rüstungsproduktion, nicht Rassismus, erst recht kein Faschismus ist für uns die Pespektive. Unsere Zukunft muss friedlich sein in einer tatsächlich solidarischen Gesellschaftsordnung, in der die Macht in den Händen der Arbeiter und Unterdrückten liegt. Unser Standtpunkt ist: Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter! Der Hauptfeind steht im eigenen Land. Wir halten an den Lehren aus dem zweiten Weltkrieg fest. Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus ausgehen. Es lebe der proletarische Internationalismus!

Die Abschlussrede vor der Ackerfläche darf dann schlussendlich Nele von Erfurt Unsilenced halten. Nele spricht in der Rede über die eigene Motivation, Empathie und Wut – das, was Nele dazu bewegt, bei Keep Elbit Out mitzumachen.
Sie würden nur Chips produzieren, welche nicht zwangsläufig als Waffe verwendet werden müssten. Doch wozu diese Chips in der Lage sind, haben wir alle über die letzten Jahre in Palästina, vor allem in Gaza, gesehen.
Unzählige Berichte über die Quadcopter, bewaffnete Drohnen, welche genau mit diesen Chips ausgestattet sind, welche Kinder gezielt unter Beschuss nehmen. So berichtet UNICEF am 6. August, diesen Monat, davon, dass ein dreijähriges Mädchen in ihrem Zuhause von einer Kugel aus solch einer Drohne ins Gesicht geschossen wurde. Ist es das, was Elbit Systems mitschlachterprobtmeint? Und das während eines angeblichen Waffenstillstands.
Kinder, denen Arme und Beine ohne Narkose amputiert werden müssen. Keine Prothesen, Rollstühle oder andere Hilfsmittel aufgrund der Blockade. Ich stelle mir all diese Menschen vor, versuche mich in ihre Lage zu versetzen. Was, wenn ich unter diesen Bedingungen mit meiner Behinderung klarkommen müsste? Ohne Rollstuhl. Ohne Therapie. Geschweige denn Schmerzmedikamente. Ich sehe die Krebs- oder Diabeteserkrankten, die online um Spenden bitten müssen, um ihre nicht mehr vorhandene Medikamente sich noch irgendwie leisten zu können.
Ich kann das Ausmaß dieser Kriege, dieses Leids manchmal immer noch nicht ganz greifen. Doch ich sehe klar, wer dafür verantwortlich ist. Ich sehe, wie unsere Steuergelder dazu verwendet werden, diese Gräueltaten mit Waffen zu unterstützen. Wie sich Elbit Systems in ganz Deutschland verbreiten will. Wie über unsere Köpfe hinweg in Waffen anstatt in uns investiert wird. Die Bundesregierung rüstet massiv auf. Der Kanzler spricht davon,unseren Interessenin der Welt durchsetzen zu wollen. Ich glaube nicht, dass irgendjemand hier die gleichen Interessen wie Friedrich Merz hat. Sie bereiten in aller Offenheit einen Krieg in Europa vor. Das macht uns alle unsicherer. Wer Waffen baut und kauft, wird sie irgendwann auch einsetzen wollen.
Ich bin froh, dass wir heute schon so viele sind. Doch das ist erst der Anfang. Also sprecht mit euren Arbeitskolleg:innen, mit eurer Familie, mit euren Freunden. Gemeinsam können wir verhindern, dass hier Waffen hergestellt werden, die, egal, wo sie eingesetzt werden, nur Leid und Verderben schaffen. Keep Elbit Out – Keine Waffenfabrik in Sangerhausen!
Der Oberbürgermeister bleibt dabei
Zurück in Erfurt schreibe ich der Pressestelle der Stadt Sangerhausen eine Mail. Ich möchte für meine Reportage auch dem Oberbürgermeister und der Stadtverwaltung die Chance geben, ihre Perspektive zu erklären. Ich habe einige formelle Fragen. Aber auch offene. Ich will wissen, wie sich die Menschen aus Sangerhausen auch zukünftig am Prozess beteiligen können. Oder wie die Stadtverwaltung ganz allgemein mit der Kritik umgeht, die Keep Elbit Out an den Oberbürgermeister richtet. Ich habe nicht wirklich mit einer Antwort gerechnet. Und tatsächlich gibt es bis zum Schluss keine Reaktion auf meine Presseanfrage.
Dafür stelle ich wenige Tage später fest, dass die Stadtverwaltung auf ihrer Homepage etwas veröffentlicht hat. Zu sehen ist eine
KI-generierte Grafik . Es soll laut Bildunterschrift eine Art
Modellfabrikdarstellen. Das ganze in einer Sangerhausen ähnlich sehenden Gegend. Unter dieser Grafik gibt es einen Frage-Antwort-Katalog. Hier möchte die Stadtverwaltung ihrer Meinung nach häufige Fragen beantworten.
Am 2. September 2026 veröffentlicht der CDU-Oberbürgermeister Torsten Schweiger ein Statement auf dem Instagram-Kanal der Stadt Sangerhausen. In dem geht er auf die Demonstration vom 29. August ein.
Viele waren irritiert, weil ein Großteil der rund 300 Demonstranten tatsächlich nicht aus Sangerhausen stammte, sondern mit Bussen aus Leipzig, Berlin, usw. herangeschafft wurde. Auch ich war ein wenig irritiert, als ich Transparente für Palästina, Antifa-Fahnen oder auch ForderungenMehr Geld für den Kiezgesehen habe, alsFreiheit für den Libanongerufen wurde und dazu auch morgenländische Musik ertönte. Was hat all dies mit Sangerhausen zu tun? Eher nichts, wie viele andere und ich meinen.
Torsten Schweiger betont erneut, dass aus der Fabrik Waffenkomponenten herauskommen sollen und ebenfalls, dass es für deutsche Interessen gedacht sei.
Wiederholt wird in der Öffentlichkeit vonWaffenfabrikengesprochen, obwohl ich mehrmals klargestellt habe, dass es nicht – und ich betone, nicht – um Waffenfabriken geht, sondern lediglich Komponenten hergestellt werden, die auch nicht in die Welt exportiert werden, sondern ausschließlich von einer deutschen Firma, für Deutschland und seine Bündnisverteidigung geliefert werden.
Nach einer letzten Spekulation über die Demonstrierenden, bekräftigt er noch einmal, dass er soweit es geht an dem Vorhaben festhalten wird und erinnert daran, dass es demokratisch und institutionell legitimiert ist. Und anders als die Demonstrierenden, sieht er in der Fabrik eine gute Zukunft für die jüngeren Generationen.
Torsten Schweiger:
Für mich ist eines klar: Wir brauchen hier keine, womöglich noch bezahlten Berufsdemonstraten aus Leipzig, Berlin oder sonstwo, die uns hier in Sangerhausen erzählen wollen und sagen wollen, wie sich unsere Stadt entwickeln soll und was wir hier zu tun oder zu lassen haben.
Ich als Oberbürgermeister und große Teile des Stadtrats, sehen hier eine gute Chance für Sangerhausen, eine Entwicklung voranzutreiben, die nicht nur neue Jobs bringt, sondern die dazu beitragen kann, dieser unserer Heimatstadt ein Stückchen zukunftsfester zu machen. Die Entscheidung, Grundstücke an die Investoren zu verkaufen, ist mit großer Mehrheit im Stadtrat von Sangerhausen entschieden worden. Und ich will es hier auch ganz deutlich formulieren: Ich werde diesen Beschluss des Stadtrats natürlich umsetzen. Denn wir wollen auch für die jüngeren Generationen ein Sangerhausen schaffen, das eine gute Zukunft hat.
Keep Elbit Out zieht Bilanz
Fabian, auch wie Lina bei Keep Elbit Out aktiv, spricht mit mir in den Tagen nach der Demo. Fabian widerspricht dem Statement von Torsten Schweiger.
Ich glaube, die Sangerhausener:innen durchschauen das als billige Hetze. das zeigen aber auch Reaktionen an unseren Infoständen. Wir haben eigentlich in unserer Arbeit immer versucht, deutlich zu machen, dass wir in der Solidarität und in der Gemeinsamkeit, den Menschen in Sangerhausen, aber auch in den umliegenden Gemeinden, aber auch den größeren Städten im Umland, wie Leipzig, Halle, Magdeburg und Erfurt eher eine Stärke unserer Bündnisarbeit sehen. Wir sind gemeinsam betroffen von der Aufrüstungspolitik, als auch von der Kriegspolitik. Wir sind auch gemeinsam aufgefordert, der deutschen Unterstützung für die Besatzung Palästinas etwas entgegen zu stellen. Wir lassen uns da überhaupt nicht spalten.
Auch auf die Demo selbst blickt Fabian sehr positiv zurück und verkündet eine andere Teilnehmendenzahl als der Oberbürgermeister.
Die Demonstration war ein großer Erfolg. 600 Teilnehmer:innen, muss ich ganz ehrlich sagen, haben unsere Erwartungen übertroffen. Wir haben vorher intern mit 300 bis 400 Teilnehmer:innen gerechnet. Das zeigt einfach, dass es viel Zustimmung gibt zu unserer Kampagne. Nicht zuletzt freuen wir uns, dass ungefähr ein Drittel der Teilnehmer:innen der Demonstration unmittelbar aus Sangerhausen selbst gekommen ist.
Nach dem Kobermännchenfest: Gesammelte Unterschriften
Einen weiteren Teilerfolg konnte Keep Elbit Out zum ersten Septemberwochenende vermelden. Denn da fand in Sangerhausen das Kobermännchenfest statt. Bei diesem jährlichen Volksfest war in Sangerhausen wieder mit viel Trubel zu rechnen. Auch die Menschen von Keep Elbit Out waren vor Ort und nutzten die Gelegenheit, um erste Unterschriften für das Bürgerbegehren zu sammeln. Auf der Demo war das ja noch nicht möglich gewesen. Denn die Stadtverwaltung hatte ja noch formale Einwände. Für die Unterschriften ist jetzt noch bis zum 24. Oktober Zeit. Auch hier zeigt sich Fabian zuversichtlich.
Die Erfahrung jetzt beim Kobermännchenfest zeigen, dass das auch möglich sein wird, denn wir haben bereits jetzt 500 Unterschriften gesammelt und in vielen Gesprächen gemerkt, dass unsere Argumente auf Zuspruch stoßen, dass viele Menschen auch in ihren Verwandten- und Bekanntenkreis selbständig sammeln wollen für das Bürgerbegehren. Insofern sind wir jetzt guter Dinge, dass wir das schaffen können .
Nach der Landtagswahl
Ebenfalls an diesem Wochenende fand die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt. Bei dieser Wahl erzielte die AfD ihr bisher höchstes Wahlergebnis bei einer Landtagswahl in ihrer Parteigeschichte: 43,8 Prozent. In Sangerhausen stimmten 47,2 Prozent für die AfD. Die CDU, in dessen Landesvorstand auch Sangerhausens Oberbürgermeister Torsten Schweiger sitzt, erhielt aus Sangerhausen 19,8 Prozent der Stimmen. Wie in der Mitteldeutschen Zeitung am 7. September zu lesen, spricht Torsten Schweiger davon, den
Nerv der Wähler nicht getroffenzu haben. Für die Partei Die Linke stimmten acht Prozent der Wählenden aus Sangerhausen.
Einige Tage später, am 10. September, hielt die AfD Sachsen-Anhalt eine Pressekonferenz in Magdeburg ab. Dort sprach unter anderem Ulrich Siegmund, von der AfD Sachsen-Anhalt für das Amt des Ministerpräsidenten nominiert. Er wurde dort von Journalist:innen zu der möglichen Waffenfabrik von Elbit Systems in Sangerhausen befragt. Seiner Aussage nach ist die AfD grundsätzlich nicht dagegen, wenn Waffen produziert werden. Ulrich Siegmund denkt sinngemäß an Einsätze deutscher Waffen innerhalb Deutschlands - zum Beispiel bei zukünftig angedachten Massendeportationen. Er deutet aber auch an, dass die AfD es skeptisch sehe, sich an
fremden Kriegenzu beteiligen, besonders im Hinblick auf eigene Kosten. Was genau mit
fremden Kriegengemeint ist, geht aus dem Statement nicht hervor.
Zur Erinnerung: Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 fast 14 Milliarden Euro an Export von Kriegsprodukten insgesamt genehmigt. Über 1,2 Milliarden Euro werden allein 2026 aus Europa in Frontex investiert, der europäischen Grenzschutzbehörde. Eine Behörde, die bei ihren Manövern immer wieder an Menschenrechtsverletzungen gegenüber Geflüchteten beteiligt ist. Das bezeugen Menschenrechtsorganisationen wie Pro Asyl oder Amnesty International. Auch mit Frontex steht Elbit Systems in Verbindung, wie die
Frontex Files-Recherchen für das ZDF Magazin Royale schon 2021 aufdeckten. Frontex hatte sich damals von verschiedenen Firmen aus der Kriegsindustrie beraten lassen, wie z.B. von Elbit Systems unter anderem über Drohnen, Satelliten und Systeme zur Verhaltenserkennung.
Nach der Landtagswahl
Ich erinnere mich an das Gespräch mit Lina in Sangerhausen. Daran, wie sie darüber sprach, wie wir in Deutschland gerade erleben könnten, wie Waffenfirmen nach und nach aus dem Boden ploppen.
Die Region im süden Sachsen-Anhalts ist nicht zum ersten Mal für die Kriegsindustrie interessant. In Dietersdorf im Südharz kaufte Rheinmetall Ende letzten Jahres ein Munitionslager auf. Rheinmetall selbst spricht davon, ihre Lagerkapazitäten
signifikantzu erhöhen. Bis zur Wende war dieses Munitionslager noch eine Kaserne der NVA, der Nationalen Volksarmee der DDR.
In Osnabrück wurde von VW in diesen Tagen bekanntgegeben, dass das dortige Werk bald nicht mehr für die Autoproduktion genutzt wird. VW erklärte, dass das Werk an das Land Niedersachsen und dem israelischen Investor Aurelius Capital verkauft wird. In dem Werk sollen dann für die israelische Waffenfirma Rafael Teile für Raketenwerfer hergestellt werden. Auf dem Markt beworben als
Iron Dome Luftabwehrsystem.
Einen Tag vor der Demo in Sangerhausen berichtete die Nachrichtenagentur Reuters von einer Raketenfabrik bei Leipzig. Covenant, eine Kriegsfirma aus den USA, soll ab 2027 eine Fabrik für Marschflugkörper mit dem Namen
Anthem, zu Deutsch
Hymne, bei Leipzig bauen.
Einige Menschen von Keep Elbit Out kommen selbst aus Leipzig. Ich frage Fabian, was Keep Elbit Out von der geplanten Raketenfabrik bei Leipzig hält:
Die nun bekannt gewordenen Pläne zu einer Ansiedlung einer Raketenfabrik in Leipzig – mit, im übrigen, gewaltigen Kapazitäten. Es wird davon gesprochen, dass dort ungefähr 1.000 Marschflugkörper jährlich produziert werden sollen – zeigt, dass der Versuch der Ansiedlung von Elbit in Sangerhausen kein Einzelfall ist, sondern sich einreiht in eine Umorientierung der deutschen Industriepolitik in Richtung Aufrüstungs- und Kriegspolitik und dass auch wir gefordert sind, nun überall lokale Bündnisse zu bilden gegen diese Politik, als auch zu vernetzen und auf bundesweiter Ebene dem etwas entgegen zu setzen.
Vielerorts Proteste gegen Waffenindustrie
Wo Waffenindustrie entstehen soll, antworten die Menschen mit Protesten. So hat sich in Leipzig nun das Bündnis
Keine Raketenfabrik in Leipziggegründet, das ähnlich wie Keep Elbit Out organisiert ist. Das Bündnis organisiert bereits Kundgebungen und Demos in Leipzig. Die neu gegründete Kampagne
Osnabrück bleibt Friedensstadtwill verhindern, dass das VW-Werk zu einer Waffenfabrik wird. Auch hier gab es bereits eine Demonstration gegen die Waffenfabrik.
In Köln hatte das Bündnis
Rheinmetall entwaffenAnfang September für eine Woche zu einem Protestcamp mit Workshops und Vorträgen eingeladen. Außerdem rief das Bündnis zu einer Großdemo auf, bei der rund 2.000 Menschen teilnahmen. Das berichtete das Nachrichtenportal Jugendinfo. Bei der Demo kam es mehrfach zu Angriffen durch die Polizei und einem sechsstündigen Polizeikessel, wie Jugendinfo vor Ort dokumentierte.
Ende September wird es in Stuttgart-Stammheim weitere Prozesstage geben, nachdem die Ulm 5 Büro- und Laborinventar von Elbit Systems in Ulm zerstörten. Das
Solinetz Stuttgartruft dazu auf, sich an einer solidarischen Prozessbegleitung für die Ulm 5 vor dem Oberlandesgericht zu beteiligen.
Ausblick: Keep Elbit Out ist optimistisch
Die Initiative Keep Elbit Out blickt auf erfolgreiche letzte Wochen zurück. Dank der Hilfe von vielen Verbündeten aus der Region konnten sie dem Bürgerbegehren gegen die mögliche Ansiedlung des Konzerns Elbit Systems ein ganzes Stück näher kommen. Bis zum 24. Oktober müssen 2.000 Unterschriften zusammen kommen, um die nächsten Schritte einleiten zu können. Der Protest von Keep Elbit Out ist noch nicht vorbei. Auf der To-Do-Liste der Initiative steht noch einiges an. Dafür ist sie aber auf weitere Unterstützung angewiesen, wie Fabian erklärt.
Man kann unsere Arbeit im Internet über unsere Homepage verfolgen oder auf Instagram. Auf den beiden Seiten findet man auch jeweils den Link zu unserem Fundraising, wo man spenden kann. Vor allem brauchen wir aber auch viele helfende Hände.
Wir planen für die nächsten Wochen Aktionen, Infostände, Haustürgespräche in Sangerhausen und freuen uns auch über Leute von Außerhalb, die das unterstützen wollen, die vorbeikommen, die helfen, Unterschriften zu sammeln, Diskussionen zu führen, so dass das Bürgerbegehren zu einem großen Erfolg wird und wir eine gute Grundlage legen, um den Bürgerentscheid dann auch zu gewinnen und Elbit aus Sangerhausen zu verjagen. Wir denken, dass wäre ein ganz wichtiger Etappensieg für die Bewegung, gegen die Kriegspolitik in Deutschland, die eine große Ausstrahlung haben könnte. Insofern helft alle mit, kommt nach Sangerhausen, lasst uns gemeinsam diese Kampagne gewinnen.
Ein Beitrag von Martin Lehmann
Bei der gesamten Produktion - von erster Recherche über Aufnahmen und Postproduktion bis zum Upload - ist auf den Einsatz von KI
-Tools verzichtet worden - soweit beurteilbar und beeinflussbar.
Verwendete Musikausschnitte:
Elijah_K, Unsolved Crime, CC BY 4.0
Julian Winter, Paris, CC BY-NC-SA 4.0
Elijah_K, Under No Stars, CC BY 4.0
Elijah_K, A Sea Without Motion, CC BY 4.0
Mark Lingard, Zizania, CC BY 4.0
Julian Winter, Cologne, CC BY-NC-SA 4.0
Sergey Cheremisinov, First Flight, CC BY-NC 4.0
Mark Lingard, Artefacts of perspective 1 - Time illusion, CC BY 4.0
Mark Lingard, Delirium.mp3, CC BY 4.0
Mark Lingard, Unspoken, CC BY 4.0
22.09.