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Die Erinnerung und der Schlüssel nach Hause - 78 Jahre Nakba

Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag. Ausgerufen wurde er 2001 von den Vereinten Nationen und ist den weltweit um die 120 Millionen vertriebenen Menschen (Stand Juli 2025) gewidmet. Etwas über einen Monat zuvor, am 15. Mai, wird mit dem Nakba-Tag an die Vertreibung von über 700.000 Menschen aus Palästina erinnert. Bis heute gibt es laut Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) fast 6 Millionen Vertriebene Palästinenser:innen. Anlässlich des 78. Nakba-Tags demonstrierten bis zu 100 Menschen in Jena, um gemeinsam mit Palästinenser:innen an die Nakba zu erinnern. Martin war vor Ort, um zu verstehen, was die Nakba für Menschen aus Palästina und deutsche Unterstützende bis heute bedeutet.

 


Reportage Nakba

 

 

Die Demo in Jena

Meine Motivation hier zu sein… Weil ich auf der Seite der Unterdrückten bin und es nicht ok finde, wie Palästinenser aus ihren Gebieten vertrieben werden und ermordet werden und dass wir als Deutschland wegen unserer Vergangenheit immer noch denken, wir können Israel unterstützen mit Waffen. Finde ich nicht okay.

 

Und was bedeutet für Sie persönlich der Nakba-Tag?

Die ‚Katastrophe‘. Da gab es ja… Viele Menschen wurden ermordet und viele Menschen wurden vertrieben und das ist, um an die Menschen zu gedenken, der heutige Tag. Also, ich bin schon seit zwei Jahren dabei und nehme regelmäßig an Demos teil, weil gerade in Gaza, in Palästina generell ein Genozid stattfindet und ich einfach für Menschenrechte stehe. Das ist meine Motivation.

 

Das sagen mir Demonstrierende auf dem Holzmarkt in Jena. Schätzungsweise bis zu 100 Menschen haben sich hier an diesem 15. Mai 2026 versammelt, um zusammen mit Palästinenser:innen zu demonstrieren. Die Stimmung ist friedlich, die Zahl an Polizist:innen wirkt überschaubar. Alle Beteiligten wirken entspannt und routiniert. Es gibt auch eine pro-israelische Gegendemo gegenüber des Holzmarkts. Dort sehe ich schätzungsweise 20 bis 30 ältere Menschen mit Israel- und Deutschlandflaggen, die Gegenreden halten und laute Schlager- und Zirkusmusik abspielen.
Der Anlass der palästinensischen Demonstration ist der 78. Jahrestag der Nakba - das ist arabisch für Katastrophe oder Unglück. Ich möchte auf der Demo lernen, was die Nakba für die Menschen aus Palästina bedeutet. Es ist schwer, mit den Menschen hier ins Gespräch zu kommen. Die Skepsis gegenüber Medienleuten wie mir scheint bei vielen hier groß zu sein.

 

Mir fällt ein Mann auf, der ein kleines Mädchen auf seinen Schultern trägt. In der Hand trägt er ein Demoschild mit einem großen Schlüssel aufgemalt. Ich spreche ihn an und stelle mich vor. Ich möchte von ihm wissen, ob er mir Fragen beantworten möchte - zu seiner Motivation heute hier auf dieser Demonstration zu sein.

 

 

Getötete Familien

 

I’m from Radio F.R.E.I. from Erfurt, and I make a report and would like to ask you some questions. Is this okay? It’s nothing evil.

 

I have no problem with any questions. You can feel free to ask me. I have nothing to be afraid from. It’s my right to speak whatever I want.

Deutsch: Ich habe kein Problem mit Fragen. Fragen Sie mich gern. Es gibt nichts, vor dass ich mich fürchten müsste. Ich habe das Recht zu sagen, was immer ich möchte.

 

What is your motivation to be here on this demonstration today?

 

The motivation is… you mean… it’s like… what is the reason to be here?
I’m a Palestinian, first of all. Second, I’m from Gaza. Third, the Israel army killed my family, all my family member. They just were sitting at home - all the parents and the children and the young ladies and young men and suddenly they were just imprisoned. They destroyed the home above their heads. Then they killed my parents, then they killed my sister and they injured my brother and my other sister and I have a sister, she’s a dentist, and the children, one year old, and they killed my nephew, they killed everyone. For no reason. For what? For just they want to play, just want to enjoy how to kill the people.
And this girl, what you see, she’s my daughter, and she’s half German, half Palestinian. Her mom, she’s a German. And she was working minute by minute to see her grandparents and suddenly they disappear. She cannot see them.


Deutsch: Zu erst einmal bin ich Palästinenser. Zweitens komme ich aus Gaza. Drittens tötete die Israelische Armee meine Familie, all meine Familienmitglieder. Sie saßen gerade zuhause - die Eltern und die Kinder und die jungen Damen und die jungen Herren und plötzlich wurden sie einfach gefangen genommen. Sie zerstörten das Zuhause über ihren Köpfen. Dann töteten sie meine Eltern, dann töteten sie meine Schwester und sie verletzten meinen Bruder und meine andere Schwester und ich habe eine Schwester, sie ist Zahnärztin, und die Kinder, ein Jahr alt, und sie töteten meinen Neffen, sie töteten alle. Einfach so. Wofür? Weil sie einfach ein Spiel daraus machen, sie genießen es, Menschen zu töten.
Und dieses Mädchen, was Sie hier sehen, ist meine Tochter, und sie ist halb deutsch, halb palästinensich. Ihre Mutter ist Deutsche. Und sie arbeitete Minute um Minute, damit sie ihre Großeltern sehen kann und plötzlich sind sie verschwunden. Sie wird sie nicht sehen.

 

Der Vater spricht davon, was die israelische Kriegspolitik mit seiner Familie machte. Und damit ist der Vater nicht allein. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International veröffentlichte beispielsweise bereits 2024 einen Bericht darüber, wie Israel nach den Hamas geführten Angriffen vom 7. Oktober 2023 im Zuge seiner Militäroffensive absichtsvoll Leid und Zerstörung über die Palästinenser*innen im Gazastreifen gebracht hat. Ein weiteres Beispiel: Im Dezember 2023 berichten die Vereinten Nationen, die UN, von verstörenden Informationen. Demnach sollen Soldaten der israelischen Armee mindestens elf unbewaffnete palästinensische Männer vor ihren Familien getötet haben.

 

 

Die Nakba bis heute

 

Diese und noch unzählige weitere Erfahrungen beschreiben Menschen aus Palästina seit Jahrzehnten mit der Nakba. Als der Staat Israel gegründet wurde, verloren 1948 nach Angaben der Vereinten Nationen über 700.000 Palästinenser:innen durch Flucht oder Vertreibung ihr Zuhause.

 


 

Auf der Demo am Holzmarkt ist die Rede einer weiteren palästinensischen Stimme zu hören. Sie gehört zum Verein Kulturbrücke Palästina aus Weimar und zählt Fakten auf, um zu erklären, warum die Nakba auch heute noch andauert:

 

Die Nakba endet nicht 1948. Seit Jahrzehnten erleben Palästinenser eine Politik der Besatzung, Enteignung und systematischen Diskriminierung. Nach dem Krieg von 1967 begann Israel mit dem Bau von Siedlungen im besetzten Westjordanland und Ostjerusalem. Heute leben dort hundertausende israelische Siedler auf Land, das nach internationalem Recht als besetztes, palästinensisches Gebiet gilt.
Immer mehr palästinensiches Land wird beschlagnahmt, Häuser werden zerstört, Familien werden enteignet. Straßen, Checkpoints und militärische Sperrzonen zerschneiden palästinensische Gemeinden und machen ein normales Leben nahezu unmöglich. Besonders erschreckend ist die zunehmende Gewalt extremistischer Siedler im Westjordanland. Laut den Vereinten Nationen wurden allein 2025 über 1.700 Angriffe von Siedlern dokumentiert, bei denen Palästinenser verletzt und umgebracht, Häuser angegriffen, Felder zerstört und Olivenbäume verbrannt wurden. Die UN dokumentierte außerdem hunderte Fälle von Brandstiftung, Zerstörung von Eigentum und gewaltsame Vertreibung von Palästinenserfamilien. Ganze Gemeinden mussten ihre Heimat verlassen, weil sie unter ständigen Angriffen standen.
Und dann in Gaza: Seit Jahren leben Menschen unter Armut und ständiger Unsicherheit. Der aktuelle Krieg und Völkermord hat unvorstellbares Leid gebracht. Ganze Wohnviertel wurden zerstört, Krankenhäuser, Schulen und Infrastruktur liegen in Trümmern. Zehntausende Menschen wurden getötet und verletzt. Darunter unzählige Kinder. Millionen Menschen kämpfen täglich ums Überleben - ohne ausreichendes Wasser, Nahrung und/ oder medizinische Versorgung

 

Unicef zufolge wurden seit 2023 in Gaza mehr als 64.000 Kinder bei Angriffen getötet oder schwer verletzt, darunter auch mindestens 1.000 Babys. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist eigenen Angaben zufolge der zweitgrößte nicht-staatliche Wasserversorger im Gazastreifen.

 

Den Menschen aus Palästina geht es am Nakba-Tag besonders darum, die Erinnerung aufrecht zu erhalten, wie uns eine weitere palästinensische Stimme erklärt:

 

Wir halten die Erinnerung fest. Das heißt, wir erinnern daran, was uns Palästinensern passiert ist, damit man das nicht vergisst, weil wenn man das vergisst, dann ist man mit schuld an dem, was passiert ist. Die Erinnerung dient auch dazu, dass sowas nicht nochmal passiert und nicht, dass die Welt guckt: Es passiert ein Genozid und alle schweigen.

 

 

Verantwortung

 

Doch nicht alle schweigen: Menschenrechtsorganisationen wie beispielsweise Medico International oder sogar Nationalstaaten wie Irland oder Spanien sprechen offiziell von Völkermord oder Genozid.
Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem veröffentlichte 2025 einen Bericht mit dem Titel Our Genocide - Unser Genozid. Dazu veröffentlichte das britische Nachrichtenmagazin Guardian im September 2025 die Reportage How do Israelis feel about the war in Gaza? (Wie geht es Israelis mit dem Krieg in Gaza?). Darin trifft sich Reporter Matthew Cassel in Tel Aviv in Israel mit Sarit Michaeli von B’Tselem. Sie erklärt, warum B’Tselem von Unserem Genozid spricht:

 

As an israeli Jew I belong to the collective that is perpetrating this genocide. I bear responsibility, it’s done in my name, regardless of, you know, this claim that some people make which is like ‚this is not in my name‘. Well, it is done in my name. I live in this society. I’m paying my taxes and it’s both my responsibility and my obligation to speak out to Israelis about what our government and our army is doing in Gaza.

Deutsch: Als israelische Jüdin gehöre ich zu der Gemeinschaft, die diesen Genozid begeht. Ich trage Verantwortung, es wird in meinem Namen getan, unabhänging davon, dass manche Menschen meinen, ‚das passiert nicht in meinem Namen‘. Doch, es wird in meinem Namen getan. Ich lebe in dieser Gesellschaft, ich bezahle meine Steuern und es ist sowohl meine Verantwortung, als auch meine Pflicht Israelis gegenüber auszusprechen, was unsere Regierung und unsere Armee in Gaza tut.

 

Im November 2023 gab Avi Dichter, Minister der israelischen Regierung, dem israelischen Fernsehsender Keshet 12 ein Interview. Angesprochen auf Bilder von vertriebenen Palästinenser:innen in Gaza, sprach Avi Dichter von Nakba 2023:

 

Keshet 12: זה ייצור תודעה של נכבה, או שזה משהו שיהיה להם לאן לחזור?
Avi Dichter: אנחנו עכשיו מגלגלים בעצם את נכבת עזה, אם תרצה. נכבת עזה. מקדמים. זו נכבת עזה.
[...]
Keshet 12: זו נכבת עזה?
Avi Dichter: נכבת עזה 2023. וככה זה ייגמר.

Deutsch: Keshet 12: Ist das eine Nakba oder ist das nur etwas vorübergehendes?
Avi Dichter: Wir rollen jetzt im Grunde die Nakba von Gaza aus, wenn Sie so wollen. Die Nakba von Gaza.
[...]
Keshet 12: Das ist die Nakba von Gaza, Avi Dichter?
Avi Dichter: Die Nakba von Gaza 2023. Und so wird es enden.

 

 

Junge Solidarität

 

Zurück in Jena. Unterstützt werden die Palästinenser:innen an diesem 15. Mai vor allem von jungen Menschen von hier. Solidarische Studierende aus Erfurt, die sich in der Hochschulgruppe Erfurt Unsilenced organisieren, haben eine Rede vorbereitet. Sie beschreiben, wie aus ihrer Perspektive die deutsche Politik mit dem Genozid in Palästina zusammenhänge:

 

Während in Gaza die Bomben fallen, klingeln hier die Kassen: Rheinmetall meldet Rekordzahlen. Fast 10 Milliarden Euro Umsatz mit Aussicht auf mehr. Das ist kein Versagen der Politik - das ist die Politik. Während in Gaza Kinder verhungern, steigen die Auftragsbücher deutscher Konzerne. Doch die Milliarden für Waffen fallen nicht vom Himmel. Stattdessen erleben wir Kürzungen im Sozialen, in der Bildung, im Gesundheitssystem, bei Jugendangeboten.
Wir Studierende kämpfen mit steigenden Lebenshaltungskosten und einem bankrotten Bafög-System, während gleichzeitig in unserer Uni-Mensa mit Plakaten für ein hervorragend bezahltes Studium bei der Bundeswehr geworben wird.
Der Kampf für ein Ende der Besatzung ist auch ein Kampf gegen die Verhältnisse hier. Für ein Ende der Besatzung, für ein freies Palästina. Hoch die internationale Solidarität!

 

Die Zahl der solidarischen Menschen habe sich in den letzten zwei Jahren verändert, erklärt mir der Vater.

 

Before two years or since the genocide was started when I was here, at many demonstrations here in this region, exactly in Jena, there were, let’s say ten or 20 young people here from Germany. But now, the German people and the German young people in this region they start to be understanding what’s going on there. They start to open their eyes, they start to open their mind to understand what is right, what is wrong. I wasn’t expecting to see this number of young people now.

Deutsch: Vor zwei Jahren oder als der Genozid angefangen wurde, als ich hier war, bei vielen Demonstrationen in dieser Region, vor allem in Jena, waren hier vielleicht zehn oder 20 junge Menschen aus Deutschland. Aber jetzt beginnen die Deutschen und die jungen Deutschen in dieser Region zu verstehen, was dort passiert. Sie öffnen ihre Augen, ihren Geist, um zu verstehen, was recht und was unrecht ist. Ich habe nicht mit dieser Zahl an jungen Menschen heute gerechnet.

 

 

 

Deutsche Medien

 

Mit einem Appell an die jungen Menschen richtet der Vater kritische Worte an die Medien:

 

They must continue searching by themselves and not to follow the German media because I see the western media, exactly the German media, they hide the truth. And they’re saying the wrong things because they want to support Israel - just.

Deutsch: Sie müssen weiter selbst auf die Suche gehen und nicht den deutschen Medien folgen, denn ich beobachte, dass westliche Medien, besonders die deutschen, die Wahrheit verstecken. Und sie sagen die falschen Dinge, denn sie wollen Israel unterstützen - ausschließlich.

 

Eine Beobachtung, die beispielsweise auch Fabian Goldmann empirisch belegt hat. Er ist Islamwissenschaftler und Journalist. Für sein 2026 veröffentlichtes Buch Staatsräsonfunk wertete Fabian Goldmann über 11.000 Medien-Beiträge aus Bild, Spiegel, Taz, Tagesschau und Zeit von Oktober 2023 bis Januar 2025 aus.
Und das bin ich dann quasi durchgegangen, habe geguckt, zeigt zum Beispiel die Tagesschau wirklich alle Seiten in ihren 20-Uhr-Nachrichten, da kam zum Beispiel heraus, nee, tut sie überhaupt nicht, sondern es gibt ein riesengroßes Übergewicht für die offizielle israelische Perspektive, also konkret heißt das zum Beispiel, in den 15 Monaten standen 136 Vertreter:innen der israelischen Regierung, lediglich vier palästinensische Repräsentanten in der Tagesschau gegenüber, die da zu Wort kamen.
Aber nicht nur palästinensische Repräsentanten waren unterrepräsentiert, sondern zum Beispiel auch Vertreter von humanitären NGOs wie Save the Children, Oxfam, Ärzte ohne Grenzen, die im Gazastreifen tagtäglich aktiv sind, da auch immer wieder großartige Berichte produzieren, derer sich Journalisten leicht bedienen könnten, selbst die kamen in der Tagesschau kaum vor.

 

Kai Hafez, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt, forscht seit vielen Jahrzehnten unter anderem dazu, wie Medien weltweit über muslimisches Leben berichten. Auch Kai Hafez bestätigt im Interview mit Radio F.R.E.I., dass:

 

gerade deutsche Medien, wenn es um Israel geht, in Krisensituationen, eine Einseitigkeit entwickeln, die man aus anderen europäischen Ländern so nicht kennt. Also hier kommt sehr, sehr stark offensichtlich ein Schutzbedürfnis in Bezug auf Israel dazu, was aus der deutschen Geschichte sich ableitet.

 

 

Wünsche

 

Am Rande des Demozugs durch die Jenaer Innenstadt, bemerke ich Passant:innen, die der Demo ihre Unterstützung zurufen.

 

Sie haben jetzt diese Demo mitgekriegt und so ein bisschen darüber diskutiert. Sie haben jetzt nicht teilgenommen, aber Sie würden wahrscheinlich gern teilnehmen, so klang das jetzt raus?

 

Ich bin gegen Israel, dass sie jetzt den Libanon okkupiert haben. Ich bin total gegen Israel. Israel sind die Kriegstreiber und die Deutschen machen mit. Die liefern Waffen hin, in Massen. Da können wir doch nicht mitmachen als Deutsche, oder? Und das hat jetzt auch gar nichts mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Ich bin auch nicht gegen die Juden, gegen das normale Volk. Aber ich bin gegen die Regierung.

 

Laut einer repräsentativen Umfrage hätten sich über 60 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen bereits von der Ampelregierung gewünscht, israelische Kriegsverbrechen in Gaza zu benennen und zu verurteilen. Das ermittelte 2025 das Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg, das auch die Bundesregierung berät. Auch palästinensische Teilnehmende der Demo nehmen das wahr:

 

Meiner Meinung nach, hat sich sehr viel geändert. Wenn man guckt, die Umfragen der letzten Zeit, dass über 60 Prozent der Deutschen gegen das sind, was Israel macht. Das heißt, es gibt hier eine Stimmung, gegen einen Genozid, gegen ein Verbrechen, was Israel begeht. Das hat mit dem Holocaust nichts zu tun. Ich kann nicht wegen einem Verbrechen ein anderes dulden.
Und man merkt bei den jungen Leuten, dass sie das mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, dass man über Moral und Menschenrechte redet und man einen Genozid toleriert. Und diese Veränderung, ist die Basis, dass die Palästinenser ihre Rechte bekommen. Und deshalb ist es so wichtig, dass junge Leute dabei sind, weil die sind die Zukunft.

 

Die Palästinenser:innen heben einen Wunsch für die Zukunft ganz besonders hervor:

 

Ich wünsche für die Zukunft nur eine Sache, nur eine einzige Sache und das ist Frieden. Frieden, dass wir als Palästinenser endlich zurückkehren können - zu unseren Häusern, zu unserem Hab und Gut, was uns geklaut wurde, was uns weggenommen wurde. Dass wir dort in Freiheit leben können, wie alle anderen Menschen. Wir sind Menschen, genauso wie alle anderen. Warum sollen wir über 78 Jahre in Vertreibung und Elend leben? Irgendwann muss es ein Ende haben.

 

Der Schlüssel

 

Zum Schluss wollen wir vom Vater noch geklärt haben, was es mit dem Schlüssel auf seinem Demoschild auf sich hat:
The key is the logo of our Nakba. Because, this key, it’s like… Our grandparents, when they left our homes they were sure that they would be back after one week or after ten days as the Arab or the European countries promised them, just to have to leave now, to don’t be killed and you would be back.

Deutsch: Der Schlüssel ist das Logo unserer Nakba. Als unsere Großeltern unsere Heimat verließen, waren sie sich sicher, nach einer Woche oder zehn Tagen zurückzukommen. Denn die arabischen oder die europäischen Länder versprachen ihnen, sie müssen dort jetzt gehen, um nicht getötet zu werden und sie könnten später zurück. Aber, wie Sie sehen, seit damals bis heute, kehrten sie nie dorthin zurück. Und das ist sozusagen das Logo unserer Nakba, unserer Probleme, was passierte.

But, you see, since this moment until now they did not come back. And this is like a logo of our Nakba, of our problems, what happened.

 

 

Ein Beitrag von Martin Lehmann


19.06.

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