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Ich habe mich geschämt. | Ein Kommentar von David Straub

Seit diesem Jahr hat Erfurt eine neue Late-Night-Show im Internet: PROTZE GLOTZE produziert insgesamt sechs Folgen und ist vorrangig für Studierende gemacht. Finanziert wird das Projekt vom Studierendenrat der Universität Erfurt. Unser Redakteur David Straub kommentiert die erste Folge dieser Show und kritisiert: "Satire, die sexuelle Anspielungen missbraucht, um witzig sein zu wollen, braucht keine und keiner."



Den Kommentar zur ersten Folge von PROTZE GLOTZE könnt ihr hier hören...:

Audio-Kommentar PROTZE GLOTZE


artikel/Unterdessen/2021/2021 02 11 MITTEL.jpgCopyright Bild: Don´t Panic TV. Bearbeitet RF




























... und hier in voller Länge nachlesen:


Ich habe mich geschämt.
Nicht die ganze Zeit. Aber immer wieder durch die Sendung hindurch: PROTZE GLOTZE sind 55 Minuten Satire, Autorenbeiträge zu einem Themenschwerpunkt, gemixt mit Live-Musik und einem Interviewgast.
33.000 Euro hat der Studierendenrat der Universität Erfurt für dieses 6-Folgen-Projekt ausgegeben.
Versteht mich nicht falsch: Ich finde es gut, dass der StuRa das Geld ausgibt, mediale Projekte und prinzipiell auch eine Late-Night-Show finanziert.
Ich möchte hier auch nicht in die Debatte um verschwendetes Geld oder zu hoch angesetzte Honorare einsteigen. Und auch nicht die technische Umsetzung bewerten. Das haben andere bereits getan.
Aber ich kann nicht an mich halten und muss was zum Sexismus sagen, der – meiner Meinung nach – die Grenze der Satire durchstoßen hat. Beziehungsweise: dort und überhaupt nirgendwo was zu suchen hat.
Nach zehn Minuten stellt Moderator Yao Protze sein Team vor. Unter anderem Sängerin Sophie, die man nicht nur so wörtlich „wegen ihres musikalischen Talentes ausgewählt“ habe. Danach drückt Yao seine Zunge von innen gegen die Wange.
Im Lauf der nächsten halben Stunde wird Catcalling als Thema der Sendung gesetzt. Catcalling meint das belästigende und aufdringliche Hinterherrufen von unerwünschten Äußerungen, in der Regel gegenüber Frauen. Ein produzierter Beitrag ist solide und ordnet das Thema sehr kritisch und cool ein.
Danach interviewt Moderator Yao die junge Linken-Politikerin Donata Vogtschmidt zu genau diesem Thema und wie sie unter anderem Catcalling im politischen Betrieb erfahren hat. Interessantes Interview mit spannender Gästin.
Danach wird es jedoch noch einmal schlimm:
Die Redaktion hat das Spiel „Schwanz oder Schwarzbrot“ geplant. Gästin und Moderator sollen erraten, ob es sich bei einem präsentierten Wort um den Namen einer Speise oder des männlichen Geschlechts handelt.
Es wird nicht ersichtlich, warum nach dem Interview zum Catcalling, also sexueller Belästigung gegenüber Frauen ein Wortspiel über Penisse notwendig ist. Was Donata Vogtschmidt offenbar ähnlich sieht. Zumindest scheint ihr Unwohlsein greifbar zu sein. Am Ende sagt sie sogar: beim nächsten Mal müssten wir dieses Spiel wohl mit Vagina spielen, um dem Penis nicht noch mehr Öffentlichkeit zu bieten.
Unter dem YouTube Video mit immerhin fast 2500 Klicks finden sich Likes und Dislikes. Geteiltes Echo. Janne schreibt: „Sehr cool, komme zwar weder aus Erfurt noch studiere ich, trotzdem hatte ich meinen Spaß.“
Ich frage mich, was junge Menschen, Männer wie Frauen, Studierende wie nicht Studieren für Vorstellungen von aufgeklärten und modernen Geschlechterrollen bekommen, wenn sie Altherrenwitze aus dem letzten Jahrtausend sehen. Wer sieht, welche Andeutungen von Oralverkehr Sängerin Sophie über sich ergehen lässt, findet das am Ende vielleicht wirklich normal.
Catcalling anprangern und dennoch solche im Witz gemachten Andeutungen vom Moderator – dazu schreibt jedoch ein anderer Kommentar: „Seid ihr für oder gegen Sexismus?“
Tja, ob ihr es wirklich kapiert habt, auf diese Frage seid ihr uns, liebes PROTZE GLOTZE-Team in all seinen Nuancen tatsächlich eine Antwort schuldig.
Satire darf alles, heißt es. Wenn sie überkommenen und sexistischen Rollenbildern und Angriffen aber Vorschub leistet, stellt sie allen Feministinnen und Pro-Feministen ein Bein.
Don´t Panic, die Uni Erfurt nebst Stura und auch ProtzeGlotze selbst haben sich mit diesen „Witzen“ keinen Gefallen getan. Die zweite Folge der Show läuft diese Woche an. Danach sollen noch vier kommen.
Hoffentlich werden die restlichen 22.000 Euro nicht verprasst, ohne dass die MacherInnen dieser Sendung merken, dass toxische Männlichkeit auch in der Satire nichts zu suchen hat. Dass es vor allem die Männer, uns Männer braucht, um Sexismus abzuschaffen.
Kurz nachdem sexueller Missbrauch eines Professors an der Uni Erfurt für Schlagzeilen und Traumata gesorgt hat:
Satire, die sexuelle Anspielungen missbraucht, um witzig sein zu wollen, braucht keine und keiner.




David Straub
11.02.

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