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Max-Weber-Kolleg behält Selbstständigkeit, an Umzug wird allerdings festgehalten ::: Feinkonzept für zukünftige Stasigedenkstätte liegt vor ::: Offene Fragen im Waidspeicher – Puppentheater und Kabarett sind sich uneinig

Max-Weber-Kolleg behält Selbstständigkeit, an Umzug wird allerdings festgehalten
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Der lange Streit zwischen der Universität Erfurt und dem Max-Weber-Kolleg ist beigelegt worden. Das Kolleg wird seine Selbstständigkeit behalten. Eine engere Bindung zwischen Universität und dem Kolleg für sozial- und kulturwissenschaftliche Studien ist geplant. Ein Umzug des Kollegs von der Stadtmitte in Uni Nähe steht weiter zu Debatte.

In dem Streit zwischen Max-Weber-Kolleg und der Universität Erfurt, ging es um den zukünftigen Status des Kollegs, innerhalb der Universität. Es gab weit auseinander gehende Meinungen. Überlegungen, den bisher selbstständigen Status des Kollegs aufzuheben, führten zu Empörung. Das Kolleg hatte einen fakultätsähnlichen Status und konnte Promotionen abnehmen, das heißt Doktorarbeiten betreuen und anerkennen. Das Kolleg sollte stattdessen zu einer institutsähnlichen Einrichtung werden, die direkt dem Präsidium der Universität unterstanden hätte. Diese wäre jederzeit von der Auflösung bedroht gewesen, wenn beispielsweise ein zukünftiges Präsidium an der Universität andere Schwerpunkte gesetzt hätte, erklärt der Interimsleiter des Max-Weber Kollegs, Wolfgang Spickermann. Diese Pläne führten zu Widerstand, innerhalb des Max-Weber-Kollegs. Aber auch von außerhalb kam viel Kritik, zum Beispiel von renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Nun habe das Max-Weber-Kolleg gemeinsam mit der Universität Erfurt eine Lösung gefunden.

„Die Lösung sieht nun so aus, dass man einerseits die Grundordnung der Universität etwas mehr an das thüringische Hochschulgesetz angepasst hat und vor allem in Bezug auf das Max-Weber-Kolleg, indem man jetzt sagt, es ist keine Fakultät und auch keine fakultätsähnliche Einrichtung, aber eine `andere Selbstverwaltungseinheit`, wie es so schön im thüringischen Hochschulgesetz heißt. Das heißt: die Selbstständigkeit bleibt erhalten. Das Max-Weber-Kolleg ist aber anders als eine Fakultät, das ist ganz klar, weil wir natürlich auch keine Studierenden ausbilden, sondern Doktoranden. Und das Promotionsrecht bleibt erhalten und auch die Grundstruktur, mit einem Kollegsrat und einem Leiter an der Spitze bleibt bestehen.“

Erklärt Wolfgang Spickermann.
Eine engere Zusammenarbeit zwischen Universität und Max-Weber-Kolleg soll außerdem erreicht werden. Dies soll durch die Beteiligung der Fakultäten im Kollegsrat gewährleistet sein. Jede der vier Fakultäten an der Universität schicken Vertreter und Vertreterinnen in den Kollegsrat des Max-Weber-Kollegs. Somit sind sie an Entwicklungen, Entscheidungsprozessen und Forschungsprojekten zumindest informell beteiligt.
Auch in der Leitungsfrage des Kollegs gab es Änderungen: die Leitung ist jetzt auf fünf Jahre begrenzt, kann danach aber wiedergewählt werden. Bisher hat der Max-Weber-Professor/ die Professorin automatisch auf unbegrenzte Zeit die Leitung übernommen. Des Weiteren gibt es nun eine stellvertretende Leitung.
Wolfgang Spickermann, Interimsleiter des Max-Weber-Kollegs, äußerte zu den Lösungen:

„Also da sind wir im Grunde genommen in der Hinsicht sehr glücklich, dass wir uns da einigen konnten.“

Das Kolleg soll laut Überlegungen der Universitätsleitung von der Stadtmitte in die Nähe des Uni-Campus ziehen, um eine stärkere Verbindung zwischen Universität und Kolleg zu schaffen.
Den Umzugsbeschluss gibt es schon seit Anfang Januar dieses Jahres. Trotz Kritik des Max-Weber-Kollegs, gilt dieser nach wie vor. Die Umzugsthematik sei aber zu trennen von der Strukturdiskussion, die es um das Max-Weber-Kolleg gegeben habe, betonte Wolfgang Spickermann im Interview mit Radio F.R.E.I.
Die Strukturdiskussion habe für das Kolleg im Vordergrund gestanden. Dem Umzug stehe Spickermann jedoch weiterhin kritisch gegenüber. Ein Umzug des Kollegs sei aber universitätsintern entschieden worden und dieser Entscheidung müsse man sich beugen, auch wenn der Kollegsrat und das Kolleg Argumente für den jetzigen Standort habe.

Seit dem Rücktritt des ehemaligen Leiters des Max-Weber-Kollegs Hans Joas, im vergangenen Jahr, ist die Leitung des Kollegs nicht besetzt.
Die Leitungsstelle wurde bis Ende Februar ausgeschrieben. Laut MDR gab es zwei Bewerbungen auf den Posten:

„Also erstmal: Ich darf Ihnen zum laufenden Verfahren nicht viel sagen. Ich kann Ihnen aber sagen, dass es weit mehr als zwei Bewerbungen gab, deutlich mehr. Also das Interesse an der Leitungsposition, auch an einer Leitungsposition, die jetzt befristet ist, sehr groß ist und wir sind da sehr stolz darauf, kann man sagen. Das Zweite ist: das Verfahren läuft. Also die Findungskomission hat sich mittlerweile auch getroffen.“

So Wolfgang Spickermann.
Die Universitätsleitung und das Kolleg drängen auf die baldige Besetzung der Leitungsstelle für das Kolleg, so Spickermann. Die Gespräche mit der jeweiligen Kandidatin, dem jeweiligen Kandidaten seien zeitintensiv. Doch Wolfgang Spickermann zeigt sich optimistisch über eine baldige Besetzung der Leitungsstelle.
Zur jetzigen Stimmung zwischen dem Max-Weber-Kolleg und der Universität Erfurt meint er abschließend:

„Die Stimmung ist besser geworden, das kann man so sagen. Insofern, als man jetzt im Grunde auch gezeigt hat, dass man gemeinsam dann doch eine Lösung gefunden und sich nicht wegen Nebensächlichkeiten, die ja an der einen oder anderen Stelle herausschienen zerstritten hat. Auch innerhalb der Universität bin ich den Gremien sehr dankbar, dass da Ideen eingebracht wurden, die uns wirklich weitergeführt haben und letztendlich dann mit Hilfe des Senats eine für alle tragbare Lösung gefunden wurde. Also, ich denke, für die Zukunft müssen wir auch daraus lernen auf einer professionellen Ebene miteinander umzugehen. Und ich denke, wir haben auch gezeigt, dass wir das können.“

Hanna Penzlin / 25.05.2012



Feinkonzept für zukünftige Stasigedenkstätte liegt vor
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Schon lange wird über die Zukunft des ehemaligen Stasiknastes in der Andreasstraße diskutiert und gestritten. Zeitzeugenvereine fühlten sich in den vom Kultusministerium erarbeiteten Konzepten nicht ausreichend einbezogen. Nun liegt ein Feinkonzept für die Gestaltung der zukünftigen Gedenkstätte in der Andreasstraße vor, welches vom Stiftungsrat der Stiftung „Gedenken-Erinnern-Lernen“ beschlossen wurde. Jochen Voit leitet seit Anfang dieses Jahres die Gedenkstätte. Zum Feinkonzept erklärt er:

„Das Feinkonzept besteht aus über 90 Seiten und das ist im Einzelnen aber gar nicht umzusetzen. Wir haben eine ganz geringe Quadratmeterzahl zur Verfügung für unsere Ausstellung und wir müssen da gehörig abspecken, aber wichtig sind glaube ich die vier Etagen, dass wir die erstmal eingeteilt haben.“

In der zweiten Etage soll der Rundgang mit dem Themenschwerpunkt „Haft“ eingeleitet werden. Dafür werden Zellen rekonstruiert und restauriert.
In der ersten Etage solle es um das repressive System der DDR gehen, Themenschwerpunkt hierbei sei Thüringen.
Im Erdgeschoss werde das Thema die „friedliche Revolution“ sein. Im Vordergrund wird die Besetzung der Stasi-Zentrale in Erfurt am 4. Dezember 1989 stehen.
Das Untergeschoss soll sich dem Thema Erinnerung widmen. Themen der Ausstellung sollen vertieft werden, außerdem sollen Kunstprojekte zu sehen sein.

Die Stiftung Ettersberg, die nun mit der bisher für die Gedenkstätte zuständigen Stiftung „Gedenken-Erinnern-Lernen“ zusammengelegt wurde, hat das vorliegende Konzept mit auf den Weg gebracht und will es in Zukunft verfeinern.
Das vom Kultusministerium in Auftrag gegebene Feinkonzept, wurde von der Agentur Ikon aus Hannover erarbeitet. Die Stiftung habe jedoch stark mitgewirkt und ihre Wünsche umgesetzt, erklärt Voit.

Im Vorfeld gab es viel Streit um die Gedenkstätte: Zeitzeuginnen und Zeitzeugen fühlten sich bei der Gestaltung der Gedenkstätte Andreasstraße nicht ausreichend berücksichtigt. Die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen forderten den Schwerpunkt auf einer Haftgedenkstätte und weniger eine Aufarbeitung des DDR Regimes. Jochen Voit, Leiter der Gedenkstätte Andreasstraße, meint dazu:

„Es gab Leute, die anderer Meinung waren, als andere. Es gab so ein bisschen eine Inszenierung eines Streits zwischen Historikern auf der einen und Zeitzeugen auf der anderen Seite. Ich glaube, dass wird am Ende nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wurde. Zum einen haben sich die Gemüter wohl etwas beruhigt, ich kann das ja nicht beurteilen, wie es früher war, ich bin ja noch nicht so lange in diesem Job. Aber zum anderen glaube ich sind die Unterschiede gar nicht so groß gewesen, zwischen den angeblich verfeindeten Parteien.“

In vielen Gesprächen habe sich ergeben, dass alle eine Gedenkstätte schaffen wollen, die vielseitig sei, so Voit.
Mit der Begründung, er fühle sich nicht genug in den Erarbeitungsprozess für Konzepte der zukünftigen Gedenkstätte eingebunden, ist jedoch der Vorsitzende Joachim Heise, des Zeitzeugenvereins Freiheit e.V., im vergangenen März zurückgetreten (Radio F.R.E.I. berichtete). Über den Rücktritt äußert sich Jochen Voit:

„Freiheit e.V. wird momentan vor allem von Herrn Schneider organisiert und zusammengehalten, habe ich so den Eindruck und wir verstehen uns sehr gut. Ich habe mich auch mit Herrn Heise sehr gut verstanden, allerdings ist er, glaube ich, schon zu dem Zeitpunkt zurückgetreten, als ich da noch gar nicht installiert war oder kurz nachdem ich da installiert war. Also ich habe einmal mit ihm länger gesprochen und wir haben uns gut verstanden und ich habe dann aber einfach zur Kenntnis nehmen und das akzeptieren müssen, dass er zurücktritt. Ich werte das aber nicht als ein schlechtes Zeichen. Er hat zu mir gesagt, er wird sich versuchen anderweitig zu engagieren und das finde ich völlig in Ordnung.“

Im Sommer wird die Stiftung Ettersberg in die Gedenkstätte einziehen können, an der momentan noch gebaut wird. Das Haus soll im November dieses Jahres eröffnet werden. Dann wird auch die erste Ausstellung zu sehen sein. Die Ausstellung heißt „Sportverräter“. Jochen Voit erklärt dazu:

„Eine sehr gelungen, medial interessante Ausstellung, die vor allem auf Interviews mit ehemaligen DDR Spitzensportlern basiert. Mit Spitzensportlern, die in Konflikt mit dem System geraten sind.“

Außerdem wird eine Fotoausstellung gezeigt.
Das Jahr 2013 wird dann vor allem zur Vorbereitung der Dauerausstellung genutzt werden, so Voit. Diese soll Ende 2013, Anfang 2014 beginnen.

Hanna Penzlin / 23.05.2012



Offene Fragen im Waidspeicher – Puppentheater und Kabarett sind sich uneinig
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Ab 1. August 2012 läuft die Dienstvereinbarung zwischen Puppentheater und Kabarett aus.
Bisher haben das Kabarett und das Puppentheater noch keine gemeinsame Lösung gefunden. Im Gegenteil – es stehen sich derzeit zwei Fronten gegenüber, die nicht miteinander kooperieren wollen.
Die Dienstvereinbarung regelte bis jetzt, die Dinge, die man berücksichtigen muss, wenn zwei verschiedene Träger, die unterschiedliche Theaterleistungen bringen, unter einem Dach arbeiten: Kartenvorverkauf am Domplatz, gemeinsame Garderobennutzung, Einsätze von Technikern im Haus, Spielplangestaltung oder technische Dienstleistungen des Puppentheaters gegenüber dem Kabarett. Diese organisatorischen Fragen sind in der Dienstvereinbarung geregelt.
Tobias Knoblich, Kulturdirektor der Stadt Erfurt erklärt die aufkommenden Fragen, die durch den Auslauf der Dienstvereinbarung zustande kommen:

„Die Probleme liegen genau auf der Ebene, die jetzt vertraglich nicht mehr geregelt ist.
Wie stimmt man seine Spielplangestaltung miteinander ab? Wer hat Anspruch auf wie viele Abende? Welche Abende sind das?
Wie wird der Kartenvorverkauf geregelt? Wie die Garderobe? Wie wird die Technik geregelt?
Also all diese Fragen, die sich jetzt aus einer Zusammenarbeit unter einem Dach ergeben.“


Knoblich vergleicht die Situation mit einem Haus, in dem unterschiedliche Mieter mit unterschiedlichen Anforderungen miteinander auskommen müssen. Die Stadt ist hierbei der Vermieter, der in diesem Fall aber nur mietrechtlich grundierte Vorgaben liefert. Die Stadt bietet sich den beiden Parteien als Vermittler an, um die verhärteten Fronten zusammenzuführen.
Puppentheater und Kabarett seien als Mieter beide gleichberechtigt.

Zur Situation der vorgesehenen Fördermittel erklärt Knoblich:

„Kulturpolitisch sind sie nicht gleichberechtigt, was die Förderbeziehung zur Stadt Erfurt anbelangt, weil das Puppentheater als überregional bedeutsames Haus keine unerheblichen kommunalen Mittel erhält, also Zuwendungen in der öffentlichen Hand und zugleich auch eine Förderung des Freistaats Thüringen.“

Kulturpolitisch verglichen, sei das Puppentheater stärker an der Gemeinwohlorientierung und erbringt Leistungen zur Erfüllung des öffentlichen Kulturauftrages, so Knoblich.

Das Kabarett lebe ausschließlich von seinen eigenen Einnahmen und leiste damit keinen Beitrag zum öffentlichen Kulturauftrag.
Knoblich betont jedoch:

„Das heißt aber nicht, dass das Kabarett weniger bedeutsam oder wichtig wäre. Das ist lediglich die Rolle, die die öffentliche Hand in dem Zusammenhang einnimmt.“


Fest steht, dass das Kabarett nicht mehr wie bisher mit einem Anteil der Fördermittel, die eigentlich dem Puppentheater zustehen, unterstützt wird. Bei der letzten Stadtratssitzung wurde ein Antrag der CDU zur Unterstützung des Kabaretts nochmals in den Kulturausschuss verwiesen. Bei diesem gehe es aber nicht primär um Geld als Unterstützungsmaßnahme, erklärt Knoblich.

„Es geht darum, die Existenzbedingungen so zu schaffen, dass das Kabarett aus eigener Kraft mit erhöhten Eintrittspreisen, die sie erheben und mit optimalen Spielbedingungen in der Lage ist, sein Überleben zu sichern.“

Bisher sei zwischen den beiden Trägervereinen noch kein richtiger Dialog zustande gekommen. Keine der beiden Parteien zeigt den Willen zu kooperieren.
Stattdessen werden Vorwürfe des Kabaretts laut, dass das Puppentheater „Die Arche“ aus dem Waidspeicher vertreiben wolle.
Diese Woche setzen sich die Trägervereine noch einmal zusammen. Tobias Knoblich sieht es als hilfreich, wenn dieser Dialog moderiert würde, um eine unparteiische Vermittlung zu gewährleisten.
Knoblich erhofft sich aus dem kommenden vertraulichen Gespräch, zumindest für die Spielplangestaltung eine gemeinsame Position zu finden.
Diese und auch die weiteren offenen Fragestellungen seien nur durch vertrauensvolle Gespräche und gegenseitiges Aufeinander zugehen zu lösen.

Ulrike Behr / 22.05.2012






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25.05.2012

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